Nach G7-Gipfel keine Fortschritte bei Handelskonflikten. S&P 500 und Dow Jones letztens etwas stärker als Nasdaq. Kann die Wall Street ihren Erholungskurs fortsetzen? DE30 stark im frühen Handel.
Vor dem G7-Gipfel war an den Märkten eine deutlich niedrigere Risikobereitschaft zu erkennen, und das zurecht. Diesmal waren es die „falschen Aussagen“ vom kanadischen Premierminister Trudeau auf einer Abschluss-Pressekonferenz gewesen sein, die Trump zu einem Rückzieher der erarbeiteten Abschluss-Erklärung verleiht haben sollen. In dieser erklärten sich zwar alle G7-Länder für einen „freien, fairen Handel zum gegenseitigen Nutzen”. Doch der US-Präsident kämpft weiterhin an allen Fronten, um irgendwie das Handelsdefizit von 800 Mrd. Dollar zu reduzieren und scheint auch an seinem Abschottungskurs „America first“ vorerst nicht ändern zu wollen. Kommuniziert wurde das Ganze erneut über Twitter. Donald Trumps wichtigster Wirtschaftsberater Larry Kudlow ließ auf CNN sogar verlauten, dass Trudeau “uns (den USA) das Messer in den Rücken gestoßen” hat. Anzumerken ist, dass Trump die Veranstaltung bereits früher verlassen hatte, da am morgigen Dienstag (12. Juni) das Treffen mit Machtführer Kim Jong Un in Singapur stattfindet.
Aber nochmal zurück zur Handelskonflikt-Thematik: Nach den am 1. Juli in Kraft tretenden Vegeltungszöllen der EU auf US-Importe zieht nun auch Kanada mit entsprechenden Gegenmaßnahmen nach. Außerdem könnten nach den US-Strafzöllen auf Stahl und Aluminium nun auch welche auf Importfahrzeuge anfallen, zumindest scheint dies der nächste Versuch der Amerikaner zu sein. Besonders die deutsche Automobilindustrie gerät hier ins Schussfeld. Deutschland und Frankreich (auch im Namen Europas) bestätigten in ihren Stellungnahmen nochmals, dass sie dennoch an der Abschlusserklärung festhalten werden. Seitens Macrons Büro hieß es: Wer sich davon distanziere, beweise seine “Widersprüchlichkeit und Inkonsistenz”. Beim Gipfel war die Aufmerksamkeit klar auf Trump gerichtet, doch letztendlich suchte man hier vergebens nach Gesprächs- und Kompromissbereitschaft. Insbesondere In Nordamerika sorgen die neuen Entwicklungen zu erneuten Spannungen.
Die Wall Street-Futures (S&P 500, Dow Jones, Nasdaq) gerieten am letzten Freitag bereits vor der US-Eröffnung unter Druck und ließen vorerst nichts Gutes erahnen. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede in der Performance. Während der S&P 500 und der Dow Jones ihre Verluste schnell wieder ausglichen und in ihrer Aufwärtsbewegung neue Hochs ausbildeten, schloss der Technologieindex Nasdaq mit einem leichten Verlust und liegt aktuell über 70 Punkte unterhalb seines Allzeithochs. Heute Morgen starteten die drei Indizes mit leicht bärischen Gaps, konnten aber einen Teil ihrer Verluste bereits wieder ausgleichen. Doch reicht das, um den Erholungskurs fortzusetzen?
Beim DE30 haben wir eine ähnliche Eröffnung gesehen. Um dem ein wenig Kontext zu verleihen: In den letzten zwei Wochen konnte dreimal ein Tagesschlusskurs unterhalb der 200-Tage-Linie und am Freitag im Intraday-Handel sogar erneut Kurse unter der 12.600 Punkte-Marke beobachtet werden. Kurstechnisch hat sich am Ende der Handelswoche nicht wirklich was geändert. Doch bereits mit einer starken ersten Stundenkerze setzten die Bullen ein klares Signal. Derzeit notiert der Index bei 12.830 Punkten (+0,33). Ob dieser Impuls nachhaltig ist, wird sich bald zeigen. Fakt ist jedoch, dass wir uns immer noch nahe wichtiger Unterstützungen aufhalten, daher gibt es technisch gesehen eine gute Chance auf eine Stabilisierung. Andererseits kann sich die Stimmung am deutschen Aktienmarkt auch schnell wieder verschlechtern.
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