Marktkommentar: Trump droht mit 200 Mrd. USD Strafzöllen

11. Juli 2018
  • Aktienmärkte in den USA und China unter Druck  
  • Kein Einlenken seitens Washington oder Peking in Sicht
  • DE30 mit bärischen Gap und Kursverlusten im frühen Handel

Donald Trump will den Einsatz im Handelskonflikt mit China erhöhen, und zwar auf 200 Mrd. US-Dollar. Eine Liste von betroffenen Produkten wurde bereits am Dienstag veröffentlicht. In jüngster Zeit war die Rede von insgesamt 500 Mrd. US-Dollar (Höhe des Handelsvolumen der US-Importe aus China 2017) und nun scheint die US-Regierung hier den nächsten großen Schritt vorzubereiten. Die Gefahr für den weltweiten Handel und somit auch für die USA werden daher immer realer. Das hat man gestern auch an den Märkten gespürt: Die Wall Street (S&P 500, Dow Jones, Nasdaq) sowie die chinesischen Indizes (Shanghai Composite, Hang Seng) gaben ihre Intraday-Gewinne schnell ab und setzten auch im heutigen Handel ihre Abwärtsbewegung fort. Heftige Kritik gab es aber nicht nur seitens der Wirtschaft, sondern auch aus den eigenen Reihen. So beispielsweise vom republikanischen Kongressabgeordneten Orrin Hatch, der Trumps “leichtsinniges” und nicht gerichtetes Handeln kritisierte.

In Kraft treten sollen die angekündigten Strafzölle allerdings erst in zwei Monaten. Daher gibt es zumindest theoretisch etwas Spielraum für Gespräche. Da die US-Regierung aber bereits seit einem Jahr den Chinesen unfaire Handelspraktien vorwürft, ist seitens der Amerikaner vermutlich nicht mit einem Einlenken zu rechnen. Auch Peking reagierte bereits am Freitag mit einem Vergeltungsschlag (Zölle auf US-Importe im Wert von 34 Mrd. US-Dollar) und zeigte damit, dass man sich nicht von den USA einschüchtern lasse. China versucht derweil vor allem die Handelsbeziehungen mit der EU zu intensivieren. In der Momentaufnahme droht die Situation womöglich nun doch zu eskalieren und in einer zunehmenden Abschottungspolitik zu enden. Die Hauptleidtragenden sind aber letztendlich die Konsumenten, an die die höheren Kosten in Form von Zöllen weitergeben werden. Erste Meldungen gab es bereits von BMW, das in China (aufgrund der Importe aus den USA) nun gezwungen ist, Preisanpassungen vorzunehmen.

Der deutsche Leitindex konnte gestern zwar einen Kursrückgang vermeiden, startet aber am Mittwochmorgen mit einem beachtlichen bärischen Gap. Zum Zeitpunkt des Schreibens notiert der Index bei 12.501 Punkten (-0,74%). Ob sich der DE30 rechtzeitig fangen kann oder eine neue Verkaufswelle bevorsteht werden wir bald erfahren. Das Verhalten an der Unterstützung bei 12.430 Punkten wird hier vermutlich entscheidend sein. Kurse oberhalb der 12.600 Punkte könnten wiederum ein positives Signal senden.

Der EURUSD bewegt sich derzeit bei 1,1730 und somit etwas oberhalb einer wichtigen Unterstützung. Nach einer Bodenbildung und einem Abpraller an der 1,15-Marke haben wir zwar wieder einen stärkeren EUR gesehen, doch reicht dies, um den Kurs weiter Richtung Norden zu bringen? Am Donnerstag werden die neuen US-Inflationsdaten (VPI) und das EZB-Sitzungsprotokoll veröffentlicht. Heute steht der US-Erzeugerpreisindex im Fokus. Daher sollten Anleger bald mit einer erhöhten Volatilität rechnen und vor allem auf technische Niveaus achten.
 

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