Marktkommentar: Weitere Eskalation beim Handelskonflikt USA/China?

6. Juli 2018
  • Autozölle beschäftigen EU
  • Nachhaltiger Befreiungsschlag auf dem deutschen Aktienmarkt?
  • US-Strafzölle auf chinesische Waren treten heute in Kraft

Das Treffen in Berlin zwischen US-Botschafter Grenell und den Chefs der größten deutschen Automobilhersteller (BMW, Daimler, VW und Zulieferer) mit dem Ergebnis einer möglichen Einigung bei Autozöllen machte gestern vielen Hoffnung. Auch wenn es sich hier lediglich um erste “Vorgespräche” handelt, war beim DE30 ein erster Befreiungsschlag Richtung 12.500 Punkte zu beobachten. Die Aktien deutscher Automobilhersteller wiesen hierbei eine überdurchschnittliche Performance auf. Da wir aber noch weit von einer konkreten Umsetzung entfernt sind, gibt es noch viel Spielraum für neue Bedingungen oder kurzfristige Rückzieher, so wie wir es von Trump seit einigen Monaten gewohnt sind (siehe Communique beim G7-Gipfel oder Absage-Zusage-Spielchen beim Treffen mit Machthaber Kim). Dennoch ist die Bereitschaft auf einen vollständigen Verzicht, wenn auch nur auf Autozölle, ein Schritt in die richtige Richtung. Nach der Initiative aus Washington erklärte sich auch Bundeskanzlerin Merkel am Donnerstag verhandlungsbereit und verwies vor allem auf eine einheitliche Lösung für Europa. Der für diesen Monat geplante Besuch von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Washington könnte hier möglicherweise neue positive Impulse mit sich bringen.

Im Hinblick auf Europa scheint Trump offenbar gesprächs- und kompromissbereit zu sein. Weniger erfreulich sind jedoch die Entwicklungen beim Handelskonflikt zwischen den USA und China, da sich die Situation nach den heute in Kraft tretenden US-Strafzöllen auf chinesische Güter in Höhe von 34 Mrd. US-Dollar vermutlich weiter zuzuspitzen dürfte. China hatte im Vorfeld einen Vergeltungsschlag angekündigt, welcher bereits heute erfolgen könnte. Der Knackpunkt ist hier, dass Donald Trump von weiteren Handelsbeschränkungen von bis zu 200 Mrd. US-Dollar auf chinesische Waren sprach, sollte Peking keine Zurückhaltung zeigen. In diesem Kontext könnte der aktuelle “Handelskonflikt” (oder dann auch Handelskrieg) eine ganz andere Dimension annehmen.

Dies könnte auch die deutsche Wirtschaft stark treffen, denn wenn die zwei größten Volkswirtschaften der Welt sich gegenseitig beim weiteren Wachstum bremsen, verheißt dies nichts Gutes für extrem exportabhängige Länder. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, sagte außerdem “Deutschland hat - anders als die USA - stark vom wirtschaftlichen Aufstieg Chinas profitieren können.” Eine Einigung bei Autozöllen könnte natürlich für die Aktivitäten der deutschen Automobilhersteller für den US-Markt interessant sein, doch wenn China und die USA immer weiter versuchen, sich mit neuen Drohungen zu übertrumpfen, könnte dies den weltweiten Handel und somit das Wachstum aller Länder ernsthaft in Gefahr bringen. Händler sollten das Thema also genauestens verfolgen, insbesondere, da bereits ein Trump-Tweet größere Marktreaktionen auslösen könnte.          
 

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