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Zentralbankpolitik

FORTGESCHRITTEN - Übung 1
Lesedauer dieser Übung: ca. 15 Minuten

In dieser Lektion lernen Sie:
 

  • Was Zentralbanken sind und welche Rolle sie im Finanzsystem übernehmen

  • Welches die wichtigsten Zentralbanken sind, die man kennen sollte

  • Wie Zentralbanken Finanzmärkte beeinflussen können

 

Was sind Zentralbanken?

Eine Zentralbank ist eine Nationalbank, die Finanz- und Bankdienstleistungen für das staatliche und kommerzielle Bankensystem ihres Landes erbringt. Sie gibt auch die Währung des Landes aus. Laut Europäischer Zentralbank ist „eine Zentralbank eine öffentliche Institution, die die Währung eines Landes oder einer Gruppe von Ländern verwaltet und die Geldmenge steuert – im wahrsten Sinne des Wortes die Geldmenge, die im Umlauf ist. Hauptziel vieler Zentralbanken ist die Preisstabilität. In einigen Ländern sind Zentralbanken auch gesetzlich verpflichtet, die Vollbeschäftigung zu unterstützen“.

 

Es muss ebenfalls daran erinnert werden, dass eine Zentralbank keine Geschäftsbank ist. Eine Person kann kein Konto bei einer Zentralbank eröffnen oder ein Darlehen beantragen, und als öffentliche Körperschaft ist die Zentralbank nicht gewinnorientiert.


 

Warum sind Zentralbanken so wichtig?
Eines sollte man immer im Hinterkopf behalten: Zentralbanken sind nicht nur für die Marktteilnehmer, sondern auch für die gesamte Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Sie sind für die Preisstabilität verantwortlich und können auch das Wirtschaftswachstum oder die Beschäftigung fördern.

 

Was die Finanzmärkte anbetrifft, ist das wichtigste, das man sich als Händler merken sollte, dass die Zentralbanken die Geldmenge kontrollieren. Dies wiederum bedeutet, dass die Geldpolitik einer Zentralbank oder die Umsetzung ihrer Fiskalpolitik Auswirkungen auf die Richtung des Devisenmarktes haben kann.


Eines der wichtigsten Instrumente einer jeden Zentralbank ist die Festsetzung von Zinssätzen – auch bekannt als die Kosten des Geldes. Wenn die Zentralbank ihre Zinssätze ändert, beeinflusst sie den Zinsmarkt, aber auch den Devisenmarkt.

 

Betrachten wir dies an einem Beispiel. Stellen Sie sich vor, die US-Notenbank sieht eine gute Konjunkturentwicklung, eine zufriedenstellend niedrige Arbeitslosenquote, ein solides Wirtschaftswachstum und steigende Inflation. In einem solchen Szenario würde die Fed vermutlich Zinserhöhungen vornehmen, um zu verhindern, dass die Preise zu stark ansteigen. Wenn die Zinssätze höher werden, werden Darlehen teurer, so dass weniger Einzelpersonen und Unternehmen an der Aufnahme interessiert sind. Dann wird sich das Wachstum verlangsamen.

 

Aber wie wirkt sich das auf eine Währung aus? Während höhere Zinssätze Darlehen oder Kredite teurer machen, bringen Einlagen mehr Zinsen, so dass Händler die Währung kaufen können, um höhere Renditen zu erzielen. Dies führt zu einer höheren Nachfrage nach dem Dollar, wodurch die Währung teurer wird. Nachfolgend sehen Sie, wie der EURUSD auf die geldpolitische Entscheidung der Fed im Dezember 2016 reagierte.

 

EURUSD FED gru 2016.png

 

Es ist jedoch wichtig, daran zu denken, dass die Zinssätze nicht das einzige Instrument sind, das von den Zentralbanken genutzt werden kann. Nach der Finanzkrise 2008/09 hat sich das Zentralbankwesen weiterentwickelt und es wurden viele außergewöhnliche Maßnahmen eingeführt. Eine Zentralbank kann Staatsanleihen kaufen oder privaten Institutionen Geld leihen, das benötigt wird, um das Kreditwachstum anzutreiben. Darüber hinaus kann sie auch andere Vermögenswerte von Banken kaufen, um zu verhindern, dass sie in Konkurs gehen. Die Fed hat diese Schritte nach der Krise unternommen, was den Beginn des mehrjährigen Haussemarktes an der Wall Street beflügelte.

 

Wie Sie sehen, sind die Zentralbanken die wichtigsten Marktteilnehmer, die den Trend des Marktes bestimmen können. Einige Institutionen sind jedoch einflussreicher als andere. Lassen Sie uns herausfinden, welche Zentralbanken von entscheidender Bedeutung sind.

 

Die wichtigsten Zentralbanken:
Es gibt vier Zentralbanken, deren Entscheidungen die Finanzmärkte maßgeblich beeinflussen können.
 

  1. Federal Reserve – Die Federal Reserve ist die Zentralbank der Vereinigten Staaten von Amerika. Das Federal Open Market Committee ist zuständig für die Finanzmärkte wichtigen Offenmarktgeschäfte. Das FOMC hält jährlich acht ordentliche Sitzungen ab. In diesen Sitzungen prüft der Ausschuss die wirtschaftlichen und finanziellen Bedingungen, legt den angemessenen geldpolitischen Kurs fest und beurteilt die Risiken für die langfristigen Ziele der Preisstabilität und des nachhaltigen Wirtschaftswachstums. Das FOMC tagt zweimal im Quartal, die letzte Sitzung in jedem Quartal geht einher mit einer Pressekonferenz und den Wirtschaftsprognosen des FOMC. Die Fed wird derzeit von dem Vorsitzenden Jerome Powell geleitet, dessen Reden ähnliche Auswirkungen haben können wie eine Zinserhöhung oder eine Zinssenkung. Dennoch lohnt es sich, den anderen Mitgliedern des Ausschusses für Grundsatzfragen zuzuhören, da die Entscheidungen des FOMC auf dem Konsens basieren, der zwischen seinen Mitgliedern zustande kommt.
     

  2. Europäische Zentralbank – Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die Zentralbank der Europäischen Währungsunion. Sie ist die Zentralbank der 19 Länder der Europäischen Union, die den Euro eingeführt haben. Die Hauptaufgabe der EZB besteht darin, die Preisstabilität in der Eurozone zu gewährleisten und damit die Kaufkraft der Einheitswährung zu erhalten. Der EZB-Rat ist das wichtigste Entscheidungsgremium der EZB. Er besteht aus 6 Vorstandsmitgliedern und den Präsidenten der nationalen Zentralbanken der 19 Euroländer. Der EZB-Rat trifft sich alle sechs Wochen, um die Geldpolitik zu erörtern. Im Anschluss an jede Sitzung findet die Pressekonferenz des Vorsitzenden statt. Die Bank wird derzeit von Mario Draghi geführt, der berühmt dafür ist, dass er die Eurokrise mit seiner Erklärung beendet hat, dass „die EZB alles tun werde, um den Euro zu schützen“.
     

  3. Bank of Japan – Wie der Name schon sagt, ist die Bank of Japan (BoJ) die Zentralbank Japans. Die Hauptaufgabe der BoJ besteht darin, die Preisstabilität zu wahren. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass die japanische Wirtschaft seit den 90er Jahren zu kämpfen hat. Die Wachstumsrate liegt nahe Null, während die Inflation weiterhin begrenzt bleibt und sich manchmal in eine Deflation verwandelt. Aus diesem Grund hat die Bank of Japan die außergewöhnlichsten Maßnahmen unter den Zentralbanken eingeführt, einschließlich der negativen Zinssätze. Die Mitglieder der Bank of Japan treffen sich 8 Mal im Jahr, um über die Richtung der Geldpolitik zu entscheiden. Der Gouverneur der Zentralbank ist Haruhiko Kuroda, der nach jeder geldpolitischen Entscheidung auf der Pressekonferenz erscheint.
     

  4. Bank of England – Trotz ihres Namens ist die Bank of England (BoE) die Zentralbank des gesamten Vereinigten Königreichs und nicht nur von England. Ihr Hauptziel ist die Wahrung der Preisstabilität, aber nach dem Brexit-Votum änderte die BoE ihre Haltung und unterstützt nun auch das Wirtschaftswachstum. Obwohl dies keine formale Regel ist, hat die Bank of England betont, dass sie die Wirtschaft während des Brexits unterstützen wird. Die geldpolitischen Entscheidungen werden vom achtmal jährlich tagenden Monetary Policy Committee getroffen. Der technische Aspekt der BoE-Entscheidungen ähnelt dem der Fed – der Gouverneur nimmt nach nur vier Entscheidungen an einer Pressekonferenz teil. Ein Unterschied ist jedoch zu beachten: Die Bank of England veröffentlicht zusammen mit einer Entscheidung die Protokolle ihrer letzten Sitzung (ein Dokument, das die Diskussion beschreibt, die während der Sitzung stattgefunden hat – dies gibt einen zusätzlichen Einblick in die geldpolitische Richtung). Die Federal Reserve veröffentlicht ihr Dokument drei Wochen nach der Sitzung. Die BoE wird derzeit von Mark Carney geführt, der zurücktreten wird, sobald der Brexit-Prozess abgeschlossen ist.

 

 

Falken gegen Tauben:
Unterschiedliche Leute haben unterschiedliche Meinungen, daher ist es keine große Überraschung, dass politische Entscheidungsträger verschiedene Ansichten zur Wirtschaft sowie zur Geldpolitik haben können. Unter den Zentralbanken können wir zwei Gruppen unterscheiden – Falken und Tauben.
 

  • Falken – Falken sind politische Entscheidungsträger, die ihre oberste Priorität darin sehen, sich darauf zu konzentrieren, die Inflation niedrig zu halten. Solche Bankiers bevorzugen höhere Zinssätze und eine vorsichtigere Geldpolitik, um die Inflation im Zaum zu halten. Sie sind auch weniger über die gesamtwirtschaftliche Lage besorgt.

  • Tauben – Tauben sind politische Entscheidungsträger, die eine höhere Inflation tolerieren können, um das Wirtschaftswachstum zu steigern und die Beschäftigung zu fördern. Diese Entscheidungsträger bevorzugen niedrigere Zinssätze.

 

Wie Sie sehen können, gibt es zwei Möglichkeiten, die geldpolitische Haltung einer Zentralbank zu beschreiben. Wenn Sie hören, dass eine Zentralbank falkenartig (hawkish) ist, bedeutet das, dass sie die Zinsen anheben möchte oder eine optimistische Haltung zur Wirtschaft hat. Eine falkenartige Fed würde beispielsweise eine Zinserhöhung signalisieren und so zu einem stärkeren Dollar führen. Andererseits würde eine taubenhafte (dovish) Zentralbank normalerweise eine negative Auswirkung auf die Währung haben, da sie es nicht eilig hätte, ihre Politik zu straffen.

 

 

Die mächtigsten Marktteilnehmer:
Wie Sie sehen, können Zentralbanken als die mächtigsten Marktteilnehmer bezeichnet werden. Ihre Entscheidungen – oder auch nur eine einzelne Aussage eines Entscheidungsträgers – können nicht nur die Währungen, sondern auch die Aktien- und Rentenmärkte maßgeblich beeinflussen. Deshalb sollte ein umsichtiger Händler alles, was mit geldpolitischen Entscheidungen und Zentralbankentscheidungen zusammenhängt, genau beobachten.

 

 

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Veröffentlicht von: X-Trade Brokers Dom Maklerski S.A

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