- Ernteausfälle vs. Hohe Lagerbestände
- Geringeres Angebotspolster für die Saison 2026/2
- Stimmungsaufhellung bei Finanzinvestoren
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An der Börse aktuell zeigt sich der Kakaomarkt gewohnt volatil: Die ICE-Kakaofutures (COCOA) legten seit Anfang Juni um mehr als 60 % zu, während die Notierungen an der Londoner Börse den höchsten Stand seit September 2025 erreichten, bevor eine Korrektur einsetzte. Zuletzt gaben die Futures erneut um 3,5 % nach und fielen unter die Marke von 6.000 US-Dollar pro Tonne.
► COCOA WKN: 570581 | ISIN: XC0005705816
Während die Rallye der letzten Monate vor allem von Sorgen über das Angebot aus Westafrika angetrieben wurde, bleibt das fundamentale Gesamtbild gemischt. Einerseits begünstigen übermäßige Regenfälle den Ausbruch von Pflanzenkrankheiten, andererseits erleichtert feuchter Boden das Ausbringen von Düngemitteln, was einigen Anbauern Hoffnung gibt. Zudem bleiben die globalen Kakaobestände auf einem vergleichsweise hohen Niveau.
Globale Kakaobestände steigen – Druck auf den Markt
Die aktuelle Verkaufswelle findet vor dem Hintergrund eines reichlichen physischen Angebots und steigender Lagerbestände statt. Die von der ICE überwachten Bestände stiegen laut jüngsten Daten auf über 3,41 Millionen Säcke – ein Zweijahreshoch.
Für jede fundierte Kakaopreis Prognose bleiben die Wetterbedingungen in den Hauptanbaugebieten entscheidend. Laut dem Durchschnitt der von Bloomberg zusammengestellten Schätzungen hat sich der prognostizierte globale Angebotsüberschuss für die Saison 2026/27 in den letzten Wochen auf etwa 25.000 Tonnen verringert.
| Marktbeobachter | Prognose-Anpassung (Saison 2026/27) | Implikation für den Markt |
| StoneX | Überschuss-Prognose gesenkt | Geringeres Sicherheitspolster bei Ernteausfällen |
| Hedgepoint Global | Überschuss-Prognose gesenkt | Markt reagiert empfindlicher auf Wetterrisiken |
Dieser relativ geringe Überschuss bietet trotz gesunder Bestände nur ein dünnes Polster gegen eine weitere Verschlechterung der Ernteerträge.
Ernteaussichten in Afrika: Wie entwickelt sich die Produktion?
Vorläufige Schätzungen beziffern die Hauptanbauernte der Elfenbeinküste auf 1,55 bis 1,6 Millionen Tonnen, was in etwa dem Niveau des Vorjahres entspricht. Dies bezieht sich auf die größere der beiden Ernten der Saison; ein klareres Bild wird für November erwartet. Die während der vorherigen Erholungsphase der Produktion aufgebauten Bestände und die geschwächte Nachfrage begrenzen weiterhin das Risiko von Engpässen. Hohe Preise haben Verbraucher dazu veranlasst, ihre Einkäufe einzuschränken, und einige Schokoladenhersteller veranlasst, ihre Rezepturen anzupassen.
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Elfenbeinküste & Ghana: Die Kakaoproduktion in der Elfenbeinküste könnte laut einer Umfrage unter Händlern und Erntegutachtern um etwa 20 % auf 1,75 Millionen Tonnen sinken. Für Ghana wird ein Rückgang der Produktion um 13 % prognostiziert. Zusammen stellen beide Länder mehr als die Hälfte der weltweiten Produktion. In Ghana breitet sich eine Krankheit aus, die die Kakaoschoten schwärzt und faulen lässt, während sich einige Bauern keine ausreichenden Pflanzenschutzmittel leisten können.
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Kamerun: Die Regulierungsbehörde Kameruns rechnet mit einer Produktion auf Vorjahresniveau, jedoch berichten Landwirte von zunehmenden Problemen mit Krankheiten und Schädlingen. Hohe Preise für Pflanzenschutzmittel begünstigen zudem den Verkauf von weniger wirksamen Fälschungen.
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Nigeria: Die Produktion Nigerias wird voraussichtlich um 2,4 % auf 288.000 Tonnen sinken. Dürreperioden, gefolgt von Überschwemmungen und Stürmen, haben Bäume zerstört und Kakaoschoten abgerissen.
Wetterrisiko El Niño: Das diesjährige starke El-Niño-Ereignis könnte die trockenen Harmattan-Winde verstärken, die die Region üblicherweise ab November erreichen. Dies würde einen Umschwung von übermäßiger Feuchtigkeit zu Trockenheit bedeuten, die die Endphase der Hauptanbauernte gefährden könnte.
Charttechnik: COCOA im Tageschart (D1)
Quelle: XTB Investment Plattform, aufgenommen am 08.09.2026. Zeithistorie gemäß der Information direkt im Chart. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Performance. Das Handelsinstrument notiert in USD. Mögliche Währungsschwankungen können sich auf die Rendite auswirken.
An der Börse aktuell zeigt die Charttechnik ein gemischtes Bild: Ein weiterer Anstieg der Lagerbestände könnte die COCOA-Futures kurzfristig belasten, auch wenn die Angebotsaussichten für die Saison 2026/27 ungewiss bleiben.
Aus technischer Sicht hat der Kontrakt seine gleitenden 200- und 50-Tage-Durchschnitte nach oben durchbrochen. Trotz des jüngsten Rücksetzers notiert der Kurs weiterhin über beiden Linien und wird etwa in der Mitte seines Trendkanals gehandelt.
CoT-Positionierung: Reduzieren Fonds ihre Netto-Short-Positionen?
Der Blick auf die Commitment of Traders (CoT) Daten gibt Aufschluss über das Verhalten der Marktteilnehmer:
Spekulanten (Managed Money)
Große Spekulanten bleiben im Kakaomarkt netto short, haben ihre bärische Haltung jedoch deutlich reduziert. Ihre Nettoposition lag bei −4.750 Kontrakten (im Vergleich zu −10.458 Kontrakten in der Vorwoche), was einer Verringerung der Netto-Short-Position um rund 54,6 % entspricht. Die Long-Positionen stiegen um 4.125 Kontrakte auf 26.056, während die Short-Positionen um 1.583 auf 30.806 fielen. Dies deutet auf eine Stimmungsänderung der Fonds in Richtung eines bullischeren Ausblicks hin, obwohl sie nach wie vor mehr Short- als Long-Positionen halten.
Kommerzielle Marktteilnehmer (Commercials)
Die Commercials (Erzeuger, Händler, Verarbeiter) bauten ihre Netto-Short-Position von −23.438 auf −30.625 Kontrakte aus. Dies war jedoch primär auf einen Abbau von 8.154 Long-Kontrakten zurückzuführen und nicht auf den Neuaufbau von Short-Positionen (die ebenfalls um 967 Kontrakte fielen).
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Bedeutung: Das Verhalten zeigt kein aggressives Setzen auf fallende Kurse, sondern vor allem ein Abwickeln bestehender Long-Absicherungen.
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Interpretation: Kakaokäufer reduzieren möglicherweise ihre Absicherungen gegen steigende Preise, was auf veränderte Einkaufsbedürfnisse oder auslaufende Hedges hindeutet.
Das Open Interest stieg um 5.452 Kontrakte auf 178.298 (+3,2 % im Wochenvergleich). Da gleichzeitig die Spread-Positionen des Managed Money um 7.276 Kontrakte zunahmen, spiegelt der Anstieg der Marktteilnahme nicht ausschließlich neue Richtungswetten wider.
Quelle: CFTC, CoT
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