11:05 · 15. September 2026

CHART des Tages: Gold auf Fünf-Wochen-Tief - Was steckt hinter dem Rückgang? (15.09.2026)

Goldpreis Prognose & Chart des Tages: Reißt die Fed-Zinsentscheidung den Goldkurs ab? | Jens Klatt
Das Wichtigste in Kürze
Das Wichtigste in Kürze
  • Fed-Zinsentscheid als Haupttreiber 
  • Ölpreis schürt Inflationssorgen 
  • Bärisches Chartbild 

Der Ausverkauf beim Gold setzt sich im September unvermindert fort. Eine Feinunze wird derzeit unter der Marke von 4.270 USD gehandelt – dem tiefsten Stand seit fünf Wochen. Seit dem Allzeithoch im August hat das Edelmetall fast 9 % an Wert verloren, allein im September beläuft sich das Minus auf über 3 %.

► Gold WKN: 965515 | ISIN: XC0009655157 | Ticker: Gold

Abbildung 1: Goldkurs und Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen [Invertierte Achse] (2026)

Quelle: XTB Research, 15.09.2026

Ölpreis und Anleiherenditen belasten Edelmetalle

Haupttreiber der jüngsten Abgaben bleibt die aggressive Einpreisung von US-Zinserhöhungen. Der Markt kalkuliert aktuell mit einer Wahrscheinlichkeit von 92 % für eine Anhebung des Leitzinses auf der bevorstehenden FOMC-Sitzung am Mittwoch – es wäre der erste Zinsschritt nach oben seit drei Jahren.

Der Auslöser für diese hawkish Ausrichtung waren jüngste Inflationsdaten sowie eine Zuspitzung am Ölmarkt: Nach der vorübergehenden Stilllegung der East-West-Pipeline durch Saudi-Arabien durchbrach die Sorte Brent die Marke von 108 USD pro Barrel. Im September summiert sich der Preisanstieg beim Rohöl damit auf knapp 20 %.

Die steigenden Energiekosten schüren die Inflationssorgen massiv. In Kombination mit der wachsenden US-Staatsverschuldung treibt dies die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen auf ein Niveau, das seit 2007 nicht mehr erreicht wurde (5,04 %). Höhere Renditen wirken gewohnheitsmäßig als starker Gegenwind für Gold, da das Edelmetall keine laufenden Zinserträge abwirft.

Fundamentale Nachfrage von ETF-Fonds und Zentralbanken bleibt stabil

Interessanterweise wird der Preisrückgang von einer Erholung des verwalteten Vermögens in Gold-ETFs begleitet, die sich wieder den Niveaus von vor Juli annähern. Auch die Zentralbanken befinden sich laut Daten des World Gold Council weiterhin im Akkumulationsmodus. Die aktuellen Kursverluste resultieren somit nicht aus einem strukturellen Abfluss langfristiger Investoren, sondern vor allem aus kurzfristigen Positionierungen im Vorfeld des Fed-Zinsentscheids.

Unglück in Harmony-Gold-Mine im Hintergrund

Ein zwar tragischer, für die Preisbildung derzeit aber sekundärer Faktor ist ein Minenunglück in der Mponeng-Goldmine des Betreibers Harmony Gold in Südafrika. Nach einem seismischen Ereignis unter Tage kam ein Arbeiter ums Leben; der Betrieb wurde für Untersuchungen der Behörden vorübergehend ausgesetzt. Mponeng zählt zu den tiefsten Goldminen der Welt. Längere Ausfälle könnten das globale Angebot mittelfristig verknappen, der Markt preist dies derzeit jedoch nicht als kursbestimmend ein.

Blick auf die Fed: Tauben-Signal könnte Debasement-Trade auslösen

Die anstehende Sitzung der US-Notenbank ist entscheidend für unsere weitere Goldpreis Prognose. Die Zeichen verdichten sich, dass am Mittwochabend um 20:00 Uhr MESZ die Zinsen angehoben werden.

Abbildung 2: Veränderung der marktimplizierten Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinserhöhung im September (2025–2026)

Quelle: XTB Research, 15.09.2026

Sollte die Fed wider Erwarten pausieren, könnte dies als Nachgeben gegenüber dem politischen Druck von Donald Trump gewertet werden, der wiederholt niedrigere Zinsen fordert. Ein solches Szenario dürfte die langfristigen Anleiherenditen weiter steigen lassen und den sogenannten Debasement Trade anfachen – das Umschichten aus Papierwährungen in begrenzte Sachwerte wie Gold und Bitcoin.

Technische Analyse im Chart des Tages: Schlüsselunterstützung im Fokus

Abbildung 3: GOLD im Tageschart [D1] (15.03.2026 – 15.09.2026)

Gold Prognose im Tageschart

Quelle: xStation, 15.09.2026

Im Chart des Tages zeigt sich ein klares bärisches Bild: Der Goldpreis ist unter alle drei exponentiellen beweglichen Durchschnitte (EMA 50, 100 und 150) gefallen. Diese bündeln sich aktuell im Bereich zwischen 4.344 USD und 4.365 USD und bilden einen massiven Widerstand.

  • Unterstützungen: Das aktuelle Kursniveau entspricht den Tiefs von Ende Juli / Anfang August. Ein dynamischer Ausbruch nach unten würde den Weg in Richtung der Juni/Juli-Tiefs im Bereich von 4.000 USD freimachen.

  • Indikatoren: Der RSI notiert bei neutralen 43 Punkten und lässt somit noch Raum nach unten, ohne direkt überverkauft zu sein. Das MACD-Histogramm verharrt im negativen Bereich, während die MACD-Linie unter der Signallinie verläuft – ein Zeichen dafür, dass aktuell kein nennenswerter Trendwechsel bevorsteht.

Fazit der Goldpreis Prognose: Solange sich das Narrativ rund um die Ölpreise und die straffe US-Geldpolitik nicht dreht, behalten die Bären am Markt die Oberhand.

 

 

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Jens Klatt

Marktanalyst bei XTB | Berlin

Jens Klatt ist seit über 20 Jahren als Analyst und Trader in der Finanzbranche tätig und hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Aufgrund seiner Erfahrung ist er ein gern gesehener Interview-Gast im deutschen TV, z.B. bei ARD oder Welt.

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