- Die Erdgaspreise sinken trotz eines verlangsamten Lagerbestandswachstums und Versorgungsengpässen.
- Die US-Lagerbestände stiegen um 67 bcf, was deutlich unter dem saisonalen Durchschnitt liegt.
- Investmentfonds halten eine Rekord-Netto-Short-Position, was das Potenzial für einen Short-Squeeze schafft.
- Die Erdgaspreise sinken trotz eines verlangsamten Lagerbestandswachstums und Versorgungsengpässen.
- Die US-Lagerbestände stiegen um 67 bcf, was deutlich unter dem saisonalen Durchschnitt liegt.
- Investmentfonds halten eine Rekord-Netto-Short-Position, was das Potenzial für einen Short-Squeeze schafft.
Der Erdgaspreis (NATGAS) verzeichnet den dritten Verlusttag in Folge. Nachdem die deutlichen Gewinne von Mitte der Woche wieder abgegeben wurden, testen die Notierungen erneut die jüngsten Tiefs. Derzeit treffen am Markt zwei mächtige, entgegengesetzte Kräfte aufeinander. Diese Konstellation könnte in der zweiten Oktoberhälfte für eine drastische Volatilität am US-Gasmarkt sorgen.
► NATGAS WKN: 621338 | ISIN: GB0031668469 | Ticker: NATGAS
Aus saisonaler Sicht befinden wir uns an einem historischen Wendepunkt: Die zweite Oktoberhälfte läutet im Vorfeld der Heizsaison üblicherweise eine fundamentale Erholung ein. Doch das aktuelle Umfeld präsentiert sich ungewöhnlich vielschichtig – mit langsam wachsenden Lagerbeständen und milden Wetterprognosen auf der einen Seite sowie Rekord-Short-Positionen auf der anderen.
Quelle: XTB
Überraschung bei den US-Lagerdaten & Angebotseinschränkungen
Der jüngste Bericht der US-Energiebehörde EIA meldete für die Woche zum 9. Oktober einen Lageraufbau von 67 Bcf (Billionen Kubikfuß). Damit lag der Wert deutlich unter dem Konsens der Analysten (74–76 Bcf) und weit unter dem Fünfjahresschnitt von 90 Bcf.
Dies ist ein klares Signal: Der Lagerüberschuss vor Beginn der Heizsaison wächst langsamer als erwartet. Gründe hierfür sind der hohe Gasverbrauch zur Stromerzeugung und die Wiederbelebung der LNG-Exporte. Die Gesamtlagerbestände liegen mit 3.567 Tcf zwar leicht über dem 5-Jahres-Durchschnitt, aber immer noch 3,9 % unter dem Vorjahreswert.

Die Lagerbestände erreichten den 5-Jahres-Durchschnitt, obwohl die Produktion weiterhin hoch war und die Nachfrage gedämpft blieb. Quelle: EIA, XTB

Zusätzlich wird das Angebot auf der Produktionsseite verknappt. Die Erdgasförderung in den USA (Lower 48 ohne Alaska) fiel zuletzt auf ca. 110,8–112 Bcfd zurück (nach Rekordwerten von 113,3 Bcfd im August/September). Auslöser waren ungeplante Ausfälle nach Hurrikans sowie die temporäre Abschaltung einer Schlüssel-Pipeline (Force Majeure).
Bei den LNG-Exporten zeigt sich ein gemischtes Bild: BNEF meldet zwar einen wöchentlichen Anstieg der Gasströme zu den Terminals um +8,2 % (auf 20,0 Bcfd), andere Daten weisen jedoch aufgrund kurzfristiger Wartungsarbeiten einen Rückgang auf 17,5 Bcfd aus. Strukturell bleibt die LNG-Nachfrage jedoch ein solider Stützpfeiler für den Preis.
Wetterprognosen bremsen Bullen vorerst ein
Als Gegengewicht zu den angebotsseitigen Risiken wirken die aktuellen Wettermodelle. Die Vorschauen von NOAA und der Commodity Weather Group für den Zeitraum 20.–29. Oktober deuten auf überdurchschnittlich warme Temperaturen in den zentralen und östlichen Teilen der USA hin.
Sowohl die 6-10-Tage- als auch die 8-14-Tage-Prognosen der NOAA zeigen ausgeprägte Wärmezonen von Texas über den Mittleren Westen bis an die Ostküste. Besonders stark ist dieses Signal in den Regionen Great Lakes und Ohio Valley. Dies dämpft die frühe Nachfrage nach Heizgas zu Beginn der Saison spürbar.
Technische NATGAS Analyse: Seitwärtsspanne im Fokus
Im Tageschart befindet sich NATGAS seit März in einer klassischen Konsolidierung zwischen 2,60 USD und 3,39 USD/MMBtu.
Wichtige Chartmarken (Tageschart):
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Widerstandszone (Fibonacci): 3,22 – 3,39 USD
Aktueller Kurs: ~3,17 USD
Glättungen (25 & 50 SMA): Dynamische Unterstützung
Unterstützung / Trigger: 3,05 USD
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Widerstand: Die rote Zone zwischen 3,22 und 3,39 USD (78,6 % – 100 % Fibonacci-Retracement) deckelte den Kurs in diesem Jahr bereits dreimal (Mai, Juni, September/Oktober).
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Indikatoren: Mit einem Kurs von rund 3,17 USD notiert NATGAS knapp unter dem 78,6 % Retracement, was auf kurzfristigen Abgabedruck hindeutet. Die Kurse halten sich jedoch über den gleitenden Durchschnitten (25 und 50 SMA), womit der übergeordnete Aufwärtstrend intakt bleibt. Der RSI liegt bei neutralen 55 Punkten, während der MACD zwar bullisch ausgerichtet ist, aber an Schwung verliert.
Positionierung: Rekord-Kontrasignal signalisiert Short-Squeeze-Gefahr
Das spannendste Puzzleteil für unsere NATGAS Prognose liefert der Blick auf die Spekulantenpositionen:
Laut dem CFTC-Bericht hielten Fondsmanager eine Netto-Short-Position von -236.439 Kontrakten (Positionierungs-Z-Score bei -2,15). Das entspricht dem 1. Perzentil der historischen Verteilung – der extremste bärische Wert seit 2020!
Eine derart einseitige Positionierung der Kapitalsammelstellen ("Managed Money") bei gleichzeitig nachlassender fundamentaler Unterbewertung schafft das perfekte Umfeld für einen klassischen Short Squeeze. Wenn nahezu alle Marktteilnehmer auf fallende Kurse wetten, reicht oft ein kleiner Funke – etwa eine weitere Pipeline-Störung, ein plötzlicher Kälteeinbruch oder überraschend niedrige Lagerdaten –, um eine Welle von Eindeckungskäufen auszulösen.
Gas erscheint im Vergleich zu seinem gleitenden 75-Tage-Durchschnitt mittlerweile etwas teuer, doch die Verbesserungen im Vergleich zu den 1-, 2- und 5-Jahres-Durchschnitten deuten darauf hin, dass wir möglicherweise einen klassischen saisonalen Aufschwung erleben. Quelle: XTB
Szenarien für den Erdgaspreis
Für die kommenden Wochen ergeben sich aus der Analyse zwei klare Verlaufsoptionen:
1. Bullisches Szenario (Short Squeeze)
Hält die Produktion unter 111 Bcfd, erholen sich die LNG-Exporte nachhaltig über 18 Bcfd und setzt Ende Oktober/Anfang November kälteres Wetter ein, geraten die Spekulanten unter Druck.
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Signal: Ein nachhaltiger Ausbruch über 3,30 USD öffnet die Tür in Richtung 3,39 USD.
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Kursziel: Bei dynamischen Eindeckungen liegt das mittelfristige Ziel bei 3,55 USD.
2. Bärisches Szenario (Saisonverzögerung)
Setzt sich die ungewöhnlich warme Witterung bis in die erste Novemberhälfte fort und erholt sich die Förderung an der Golfküste rasch auf über 113 Bcfd, dürfte der Lagerüberschuss wieder anwachsen.
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Signal: Ein Tagesschlusskurs unter dem 50-Tage-Durchschnitt und der Unterstützung bei 3,05 USD.
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Kursziel: Das Abrutschen unter 3,05 USD macht den Weg frei in Richtung 2,85 – 2,90 USD.
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