Marktausblick: Spannungen im Nahen Osten lassen Goldpreis steigen

15:00 8. Januar 2020

Der Goldpreis befindet sich seit langem im Aufwärtstrend und konnte trotz der guten Stimmung an den globalen Finanzmärkten im vergangenen Jahr zulegen. Die Anleger sind sich bewusst, dass die Zentralbanken immer mehr versuchen, die Wirtschaft zu stimulieren und ihre Portfolios mit Edelmetallen diversifizieren. Mit den zunehmenden Spannungen im Nahen Osten ist das Edelmetall noch attraktiver geworden. Was bedeutet das für Gold?

Anleger betrachten Gold immer noch als sicheren Hafen

Die Tötung von Ghassem Soleimani im Irak durch einen US-Angriff hat die Spannungen in der Region erhöht und die Gefahr eines größeren militärischen Konflikts geschaffen. Darüber hinaus hat das Attentat die Hoffnungen auf die Unterzeichnung eines neuen Nuklearabkommens zunichte gemacht und den Iran veranlasst, sich von seinen derzeitigen Verpflichtungen zur Urananreicherung zurückzuziehen. Der Iran drohte wegen der Ermordung des hochrangigen Generals Vergeltungsmaßnahmen gegen die USA an. Wir mussten nicht lange auf diese Reaktion warten, da sie weniger als eine Woche nach dem Mord an Soleimani erfolgten. Der Iran startete einen Raketenangriff auf US-Ziele im Irak und behauptete, 80 US-Soldaten getötet zu haben. Die USA haben bislang keine Nachrichten über die Zahl der Opfer bestätigt. Dennoch profitiert Gold von der Situation und ist seit Beginn des Konflikts um über 5% gestiegen. Das Edelmetall durchbrach sogar für einen kurzen Moment die Marke von 1.600 USD. Wie geht es weiter?

Vergleich der Entwicklung des Goldpreises über die ersten 60 Tage verschiedener militärischer Konflikte im Nahen Osten. Quelle: Bloomberg, XTB Research

Schauen wir uns an, wie sich der Goldpreis während früherer militärischer Konflikte im Nahen Osten entwickelt hat. Die aktuelle Kursentwicklung kann mit zwei anderen Situationen verglichen werden: Nach den Angriffen auf das World Trade Center (schwarze Linie) sowie nach dem ersten Golfkrieg (rote Linie). Interessant ist, dass sich der Goldpreis während des zweiten Golfkrieges in die entgegengesetzte Richtung entwickelte. Dies lässt sich dadurch erklären, dass damals der Beginn des Konflikts erwartet wurde. Dennoch begann der Goldpreis später zu steigen. Es ist zu beachten, dass der Preisanstieg in drei der genannten Konflikte zwischen 7% und 12% lag. Man sollte jedoch bedenken, dass die Marktreaktion auf die Unsicherheit im Laufe der Zeit nachlässt und fundamentale Faktoren eine große Rolle zu spielen beginnen.

Gold wird von starken Fundamentaldaten unterstützt

Der Goldpreis steigt bereits seit einiger Zeit. Die ETF-Bestände an Gold sind in den letzten beiden Jahren deutlich gewachsen, was das steigende Interesse an Goldanlagen widerspiegelt. Die Bedenken über die globale Verlangsamung zusammen mit der Sorge um die Auswirkungen einer längeren Phase der quantitativen Lockerung veranlassten die Zentralbanken erneut, Gold zu kaufen. Die Zentralbanken aus Polen, China, Russland, Indien und der Türkei tätigten im Vorjahr die größten Goldkäufe. Die vorherrschende wirtschaftliche Unsicherheit, die steigende Inflation sowie die sinkenden Zinssätze könnten die Investitionsnachfrage nach Gold in Zukunft unterstützen. Die Käufe und die Investitionsnachfrage der Zentralbanken machten im dritten Quartal 2019 über 50% der weltweiten Goldnachfrage aus. Der gleitende 4-Quartalsdurchschnitt für diese beiden Faktoren steigt seit einiger Zeit. Sollte der US-Dollar anfangen zu fallen, könnte zudem die asiatische Schmucknachfrage wiederbelebt werden.

Der gleitende 4-Quartalsdurchschnitt für den Anteil der Investitionen und der Zentralbankkäufe an der globalen Goldnachfrage. In den letzten zwei Jahren ist eine starke Erholung zu beobachten. Betrachtet man die aktuellen makroökonomischen und geopolitischen Trends, könnte die Bedeutung dieser beiden Faktoren weiter zunehmen. Quelle: Bloomberg, XTB Research

Der Anteil der Investitionsnachfrage und der Zentralbankkäufe an der globalen Goldnachfrage ist in den letzten Quartalen gestiegen. Gleichzeitig bleibt die Schmucknachfrage aufgrund des starken US-Dollars gedämpft. Eine Abschwächung der US-Währung könnte die Situation ändern. Darüber hinaus dürfte sie auch die Investitionsnachfrage und die Käufe der Zentralbanken unterstützen. Es ist zu beachten, dass der Anteil der Investitionen zur Wende des letzten Jahrzehnts noch größer war als heute. Quelle: Bloomberg, XTB Research

Vorsicht vor überkauften Märkten

Gold wird fundamental gesehen sehr stark unterstützt. Darüber hinaus fördert die geopolitische Unsicherheit zusätzlich die spekulative Nachfrage. Dies bedeutet jedoch, dass der Markt stark überkauft ist und kurzfristige Händler beginnen könnten, Gewinne zu verbuchen, sobald sich die Situation beruhigt hat. Die Positionierungsdaten bestätigen, dass der Markt überkauft ist. Sollten die Fundamentaldaten jedoch unterstützend bleiben, könnten langfristige Anleger von diesen profitieren.

Die spekulativen Long-, Short- und Netto-Positionen befinden sich auf extremen Niveaus. Dies zeigt, dass der Goldmarkt überkauft und anfällig für einen Rückzug ist, falls sich die Situation im Nahen Osten beruhigt. Eine solche Situation könnte eine Chance für Anleger mit längerem Anlagehorizont sein. Quelle: Bloomberg

Aus technischer Sicht wäre eine Korrektur möglich. Der Markt erreicht die Bandbreite des Ausbruchs aus dem Dreiecksmuster und man kann eine Reaktion auf das 61,8% Fibo-Niveau der Abwärtsbewegung von 2011 bis 2015 beobachten. Die Entspannung im Nahen Osten könnte ein Auslöser für eine Korrektur sein. Starke Unterstützung ist nahe der Aufwärtstrendlinie oberhalb der 1.400-USD-Marke zu finden. Sollte sich der Goldpreis hingegen weiter erholen, könnten die Bullen den Bereich zwischen 1.700 und 1.740 USD anvisieren. Quelle: xStation 5
 

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