Notiz des Chefvolkswirts: Kann die Fed eine „kontrollierte Abkühlung" auslösen?

09:15 14. Mai 2021

Die Inflationsdaten in den USA in dieser Woche waren besorgniserregend. Die Fed behauptet, es sei alles nur „vorübergehend", aber auch sie muss sich Sorgen machen. Im Gegensatz zu den anderen Marktteilnehmern hat sie Instrumente, um die Dinge abzukühlen - aber es gibt Nebeneffekte.

Die ganze Diskussion über den Ursprung der Inflation von 4,2% im April (die im Mai näher bei 5% liegen wird) wird noch wochenlang wüten. Es gibt Argumente, die für eine vorübergehenden Anstieg sprechen:

  • Basiseffekte der meist niedrigen Ölpreise
  • Technologischer Fortschritt (E-Commerce unterstützt Preisfindung und hält damit die Preise im Zaum)
  • Demografische Entwicklung beeinträchtigt langfristige Nachfrage
  • Arbeitsmarkt bleibt weit von Vollbeschäftigung entfernt

Andererseits gibt es aber auch Argumente, die für einen länger anhaltenden Preisdruck sprechen:

  • Haushalte haben aufgrund der Konjunktur-Schecks mehr Geld, als sie ohne die Pandemie hätten
  • Unternehmen sehen sich mit Pandemiekosten und höheren Inputkosten konfrontiert (siehe Chart)
  • Versorgungsprobleme ermöglichen Preiserhöhungen
  • Geringerer Wettbewerb bei Dienstleistungen erhöht die Preissetzungsmacht
  • Anzeichen von Lohndruck (+höherer Mindestlohn) trotz Arbeitslosenquote von 6%

Jeder dieser Faktoren aus beiden Listen rechtfertigt eine separate Analyse. Heute würde ich mich jedoch auf das Szenario konzentrieren, in dem die Fed eine kontrollierte „Landung” durchführt. Schauen Sie sich die Rohstoffpreise an - sie sind zurück am Allzeithoch, und das ist eigentlich eine Untertreibung, da dieser Index stark öllastig ist, während die Industrierohstoffe tatsächlich viel schneller steigen. Das liegt an der realen Nachfrage von der Angebotsseite, aber auch an der Spekulation - Investoren wissen, dass diese Vermögenswerte in der Vergangenheit in Zeiten der „Reflation" gut gelaufen sind, und inmitten der Nullzinspolitik strömen sie in Rohstoffe wie Kupfer, Aluminium, Eisenerze, Holz oder sogar Sojabohnen.

Die Spotpreise für Rohstoffe steigen rasant an und schüren den Inflationsdruck. Quelle: Bloomberg

Die Kommunikation selbst eines langsamen Ausstiegs aus der derzeitigen „Vollgas"-Geldpolitik könnte also diese spekulative Nachfrage unterbieten und wäre aus wirtschaftlicher Sicht das Richtige. Aber die Fed weiß, dass dies den Preis einer hässlichen Marktreaktion hat und wird daher einen solchen Schritt nur machen, wenn sie ernsthaft besorgt ist.
 

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Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten derzeit nicht investiert.

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