AMAZON AKTIE: Das Wichtigste in Kürze
- Operatives Ergebnis von 28,1 Mrd. USD – deutlich über der Unternehmensprognose (22,5–26,5 Mrd. USD)
- Operative Marge von 13,9 % – höchster Wert in der Geschichte von Amazon
- AWS-Umsatz +39 % auf 46 Mrd. USD – schnellstes Wachstum seit fast fünf Jahren, Marge 38,7 %
- Umsatz (201,9 Mrd. USD) und Gewinn je Aktie (1,89 USD) leicht unter Konsens
- Free Cashflow (12 Monate): -42,4 Mrd. USD
- Die Amazon Aktie fiel nachbörslich um rund 6 %, nach bereits über 4 % Minus im regulären Handel
► Amazon WKN: 906866 | ISIN: US0231351067 | Ticker: AMZN.US
Die Amazon Aktie steht nach den Zahlen zum dritten Quartal 2026 unter Druck – obwohl Amazon operativ so profitabel war wie nie zuvor. Der Grund: Die Investitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur wachsen deutlich schneller als der Cashflow. Ich ordne ein, was hinter den Zahlen steckt und warum ich den Kursrückgang für übertrieben halte.
Amazon Quartalszahlen Q3 2026: Ist vs. Erwartung
Die Kennzahlen, auf die Anleger meist zuerst schauen - Umsatz und Gewinn je Aktie, haben enttäuscht. Vor allem der Gewinn je Aktie verfehlte die Erwartungen mit rund 0,08 USD spürbar. Die eigentlich entscheidenden Positionen überzeugten dagegen: AWS wuchs um 39 % auf 46 Mrd. USD, und das operative Ergebnis übertraf mit 28,1 Mrd. USD sogar das obere Ende der eigenen Prognose.
| Kennzahl | Ist | Konsens Prognose |
|---|---|---|
| Umsatz | 201,9 Mrd. USD | ca. 202,2 Mrd. USD |
| Gewinn je Aktie (EPS) | 1,89 USD | ca. 1,97 USD |
| AWS-Umsatz | 46,0 Mrd. USD | ca. 45,4 Mrd. USD |
| Operative Marge AWS | 38,7 % | ca. 37,3 % |
| Umsatz Nordamerika | 112,9 Mrd. USD | ca. 113,8 Mrd. USD |
| Operative Marge Nordamerika | 7,7 % | ca. 6,8 % |
Quelle: Amazon Quartalsbericht Q3 2026, Konsensschätzungen; Darstellung XTB
Nettogewinn: Warum Anthropic das Bild verzerrt
Auf den ersten Blick ist der Nettogewinn gesunken: 20,7 Mrd. USD nach 21,2 Mrd. USD im Vorjahr. Dieser Vergleich hinkt allerdings. Im dritten Quartal 2025 hatte Amazon einen Sondergewinn von 9,5 Mrd. USD aus seiner Beteiligung an dem KI-Unternehmen Anthropic verbucht, der die Vorjahresbasis stark aufgebläht hat. Im aktuellen Quartal belasteten dagegen nicht-operative Posten mit einem Verlust von 1,2 Mrd. USD, zudem stieg der Zinsaufwand auf 1,7 Mrd. USD.
Aussagekräftiger ist das operative Ergebnis, das von 17,4 auf 28,1 Mrd. USD kletterte. Auch hier lohnt ein genauer Blick: Der Vorjahreswert war durch den FTC-Vergleich (ca. 2,5 Mrd. USD) und Abfindungskosten (ca. 1,8 Mrd. USD) belastet. Bereinigt liegt das Wachstum daher bei rund 29 % statt 61 % – aber auch das ist eine sehr robuste Entwicklung.
AWS: Der wichtigste Treiber für die Amazon Aktie
Die Cloud-Sparte Amazon Web Services wird für den Konzern immer wichtiger – und das schneller als erwartet. AWS stand im dritten Quartal für 23 % des Konzernumsatzes, aber für bemerkenswerte 63 % des operativen Ergebnisses.
Die AWS-Marge gab gegenüber dem Vorquartal zwar leicht nach (von 39,4 % auf 38,7 %), lag aber klar über der Markterwartung von rund 37,3 %. Aus meiner Sicht ist das die zentrale Botschaft dieses Berichts und einer der stärksten Gründe für Zuversicht.
CEO Andy Jassy stellte trotz der inzwischen hohen Basis für 2027 und 2028 jeweils ein AWS-Wachstum von über 40 % pro Jahr in Aussicht. Rückenwind liefern neue Vereinbarungen unter anderem mit Meta, NVIDIA, OpenAI, Salesforce, Oracle und Qualcomm. Besonders auffällig: Das Token-Volumen auf der KI-Plattform Bedrock stieg im Jahresvergleich fast um das 17-Fache, die Ausgaben von Fortune-500-Kunden für Bedrock um fast das 7-Fache.
Handel und Werbung: Prime Day verschiebt das Wachstum
Weil der Prime Day in diesem Jahr vom dritten ins zweite Quartal gerutscht ist, war ein um rund 4 Prozentpunkte geringeres Umsatzwachstum im Q3 eingeplant. Der Umsatz in Nordamerika stieg um 6 % auf 112,9 Mrd. USD, die Online-Store-Erlöse nur um 2 % auf 68,5 Mrd. USD (erwartet: ca. 69,6 Mrd. USD).
Auch das Werbegeschäft verlangsamte sich: Die Erlöse stiegen um 11 % (währungsbereinigt 12 %) auf 19,6 Mrd. USD – nach 26 % Wachstum im zweiten Quartal und unter dem Konsens. Amazon nannte auch hier die Prime-Day-Verschiebung als Grund.
Positiv überrascht hat dagegen die Profitabilität im Handel: Die operative Marge in Nordamerika lag bei 7,7 % (Konsens: 6,8 %), das Segmentergebnis bei 8,7 Mrd. USD nach 4,8 Mrd. USD im Vorjahr. Gerade die Einzelhandelsmargen waren vor den Zahlen die größte Sorge des Marktes.
Amazon Prognose für das vierte Quartal
Für das Weihnachtsquartal erwartet Amazon:
- Umsatz: 240–247 Mrd. USD (+12 % bis +16 % gegenüber Vorjahr)
- Operatives Ergebnis: 28,5–33,5 Mrd. USD (Vorjahr: 25 Mrd. USD)
Die Mitte der Umsatzspanne (243,5 Mrd. USD) liegt leicht unter dem Konsens von rund 244,5 Mrd. USD. Die Gewinnprognose ist dagegen solide – schon das untere Ende übertrifft das Rekordergebnis aus Q3.
Capex und Free Cashflow: Warum die Amazon Aktie fällt
Der Kursrückgang dürfte vor allem auf die Kosten der Expansion zurückgehen. Im dritten Quartal investierte Amazon netto rund 76 Mrd. USD in Sachanlagen – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr (ca. 34 Mrd. USD).
Der operative Cashflow der letzten zwölf Monate stieg zwar um 29 % auf 168,3 Mrd. USD, die Investitionen wuchsen aber deutlich stärker. Die Folge:
- Free Cashflow (12 Monate): -42,4 Mrd. USD (Vorjahr: +14,8 Mrd. USD)
- Free Cashflow nur Q3: ca. -33 Mrd. USD
- Langfristige Schulden: Anstieg von 65,6 Mrd. USD (Ende 2025) auf 173,1 Mrd. USD (Ende Q3), davon 48,1 Mrd. USD allein aus Emissionen im dritten Quartal
Amazon hält an seiner Capex-Prognose (Investitionsausgaben) von rund 220 Mrd. USD für 2026 fest. Das wirkt eher konservativ: In den ersten neun Monaten wurden bereits 172 Mrd. USD investiert. Entweder fallen die Investitionen im vierten Quartal deutlich niedriger aus (von 76 auf 48 Mrd. USD) – oder die ursprüngliche Prognose wird überschritten.
Meine Einschätzung zur Amazon Aktie
Dass Amazon mehr ausgibt, als es an Cashflow erwirtschaftet, wusste der Markt schon seit Monaten. Überrascht hat das Ausmaß: Der Free Cashflow ist im dritten Quartal im Jahresvergleich um rund 35 Mrd. USD eingebrochen, und das Management hat keinen Hinweis gegeben, wann sich dieser Trend umkehren könnte. Dazu kommen Anzeichen, dass die Capex-Prognose für 2026 überschritten werden könnte, sowie kleinere Verfehlungen bei Umsatz, Werbung und Gewinn je Aktie. Im aktuellen Marktumfeld hat das die Amazon Aktie besonders hart getroffen.
Aus meiner Sicht ist der Ausverkauf dennoch übertrieben. AWS hat mit 17,8 Mrd. USD operativem Gewinn und 38,7 % Marge eindrucksvoll abgeliefert, und die Prognose deutet auf anhaltend hohes Wachstum in diesem Kernbereich für die kommenden Jahre hin. Das gibt gute Gründe für die Zuversicht, dass Amazon die massiven Investitionen in künftiges Gewinnwachstum umsetzen kann.
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* Aktueller Spitzenzinssatz gemäß der größten Vergleichsportale für in Deutschland einlagengesicherte Cash-Einlagen, Stand 13.10.2026 laut Eigenrecherche XTB, Irrtümer vorbehalten.
❓ Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Amazon Aktie
Warum fällt die Amazon Aktie nach den Q3-Zahlen?
Vor allem wegen der stark gestiegenen Investitionsausgaben. Amazon investierte im dritten Quartal rund 76 Mrd. USD, der Free Cashflow der letzten zwölf Monate fiel auf -42,4 Mrd. USD. Dazu kamen leichte Verfehlungen bei Umsatz und Gewinn je Aktie.
Wie stark ist AWS im dritten Quartal 2026 gewachsen?
Der AWS-Umsatz stieg um 39 % auf 46 Mrd. USD – das schnellste Wachstum seit fast fünf Jahren. Die operative Marge lag bei 38,7 %, AWS lieferte 63 % des operativen Konzernergebnisses.
Was erwartet Amazon für das vierte Quartal 2026?
Amazon rechnet mit einem Umsatz von 240–247 Mrd. USD und einem operativen Ergebnis von 28,5–33,5 Mrd. USD.
Wie hoch ist die Capex-Prognose von Amazon für 2026?
Amazon bestätigte rund 220 Mrd. USD. Da bis Ende September bereits 172 Mrd. USD investiert wurden, wäre im vierten Quartal eine deutliche Verlangsamung nötig – andernfalls dürfte die Prognose überschritten werden.
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