11:10 · 17. Juli 2026

BÖRSE AKTUELL: Europäische Indizes geben angesichts der Spannungen zwischen den USA und dem Iran nach📉 Halbleiter stehen unter Druck

Börse Aktuell: Markt News - DAX schwächer, Ölpreise belasten Europa, Tomra steigt nach Zahlen
Das Wichtigste in Kürze
Das Wichtigste in Kürze
  • Börse Aktuell: DAX und europäische Börsen stehen wegen steigender Ölpreise und neuer Inflationssorgen unter Druck
  • Markt News: Eine starke Berichtssaison und optimistischere Analystenstimmen begrenzen bislang die Verluste am europäischen Aktienmarkt
  • Tomra Systems: Die Aktie gewinnt rund 15% nach starken Quartalszahlen und dynamischem Wachstum im Geschäft mit Pfandrücknahmesystemen

Die europäischen Aktienmärkte starten am Freitag schwächer in den Handel. Steigende Ölpreise infolge der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten schüren neue Inflationssorgen und belasten die Stimmung an den Börsen. Dennoch bleibt der Verkaufsdruck bislang begrenzt, da eine starke Berichtssaison den europäischen Aktienmärkten Unterstützung verleiht. Der STOXX 600 verliert im frühen Handel rund 0,6%, steuert aber weiterhin auf ein leichtes Wochenplus zu.

Die militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran dauern inzwischen den sechsten Tag in Folge an. Anleger befürchten weitere Störungen auf den globalen Energiemärkten, was den Ölpreis zusätzlich antreibt.

Markt News: Ölpreise rücken Inflation wieder in den Fokus

Der Anstieg der Energiepreise weckt erneut Sorgen, dass die Inflation länger auf einem erhöhten Niveau bleiben könnte. Dadurch würde es für die Notenbanken schwieriger, ihren geldpolitischen Lockerungskurs fortzusetzen. Trotz der geopolitischen Unsicherheiten entwickeln sich Europas Börsen besser als viele asiatische Märkte. Ein wesentlicher Grund dafür ist die geringere Gewichtung großer Technologiewerte in europäischen Indizes. Unter Druck steht dagegen der Halbleitersektor. STMicroelectronics verliert rund 5%, während ASML um etwa 3,5% nachgibt.

Börse Aktuell: Berichtssaison stabilisiert Europas Aktienmärkte

Die laufende Berichtssaison sorgt weiterhin für Unterstützung. Vor allem starke Quartalszahlen großer europäischer Banken haben die Aktienmärkte in dieser Woche gestützt. Zudem steigt der Optimismus unter den Strategen. Laut einer Bloomberg-Umfrage haben UBS und Deutsche Bank ihre Jahresendziele für den STOXX 600 angehoben. Beide Institute verweisen auf eine beschleunigte Gewinnentwicklung der Unternehmen sowie die Widerstandsfähigkeit des europäischen Aktienmarktes gegenüber geopolitischen Risiken.

UBS zählt mittlerweile zu den optimistischsten Häusern für europäische Aktien und erwartet bis zum Jahresende ein Potenzial von rund 8% für den STOXX 600. Auch die zuletzt niedriger als erwarteten VPI-Daten aus den USA sorgten kurzfristig für Entspannung. Allerdings erschweren die gestiegenen Ölpreise den Inflationsausblick erneut. Im Fokus der Anleger steht nun die Sitzung der Europäischen Zentralbank in der kommenden Woche. Die meisten Volkswirte rechnen zwar mit unveränderten Leitzinsen, allerdings preisen die Geldmärkte inzwischen eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung später im Jahr ein.

DAX und europäische Indizes geben nach

Der britische FTSE 100 verliert rund 0,3%, der französische CAC 40 etwa 0,6% und der DAX rund 0,5%. Auch Südeuropa notiert schwächer. Italiens FTSE MIB fällt um rund 1%, während Spaniens IBEX 35 etwa 0,3% nachgibt.

Chartanalyse: Euro Stoxx 50 und DAX

Im Future auf den Euro Stoxx 50 fungiert aktuell der EMA50 als wichtige Unterstützung. Ein Rückfall unter die Marke von 6.216 Punkten könnte eine größere Korrektur bis in den Bereich von 5.925 Punkten einleiten, wo zugleich der EMA200 verläuft. Steigende Ölpreise und neue Inflationssorgen könnten zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen.

EU50 Prognose im Tageschart

Quelle: XTB Investment Plattform, aufgenommen am 17.07.2026. Zeithistorie gemäß der Information direkt im Chart. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Performance. Das Handelsinstrument notiert in Punkten. Mögliche Währungsschwankungen können sich auf die Rendite auswirken.

Der DAX-Future steht ebenfalls unter Druck und notiert nur noch knapp oberhalb des EMA200 bei rund 24.500 Punkten. Der RSI bewegt sich mit einem Wert von 44 im neutralen Bereich. Das Handelsvolumen spricht derzeit jedoch für eine stärkere Dominanz der Verkäufer.

DAX Prognose im Tageschart

Quelle: XTB Investment Plattform, aufgenommen am 17.07.2026. Zeithistorie gemäß der Information direkt im Chart. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Performance. Das Handelsinstrument notiert in Punkten. Mögliche Währungsschwankungen können sich auf die Rendite auswirken.

Markt News: Tomra Systems springt nach starken Quartalszahlen um 15%

Zu den größten Gewinnern zählt Tomra Systems. Die Aktie des norwegischen Spezialisten für Pfandrücknahmesysteme steigt nach Vorlage der Quartalszahlen um nahezu 15% und erreicht den höchsten Stand seit Ende April. Besonders positiv überraschte das Collection-Geschäft, das Rücknahmeautomaten für Flaschen- und Dosenpfandsysteme produziert. Weltweit werden über die Systeme des Unternehmens jährlich mehr als 50 Milliarden Getränkeverpackungen gesammelt.

Neue Pfandsysteme treiben Wachstum

Der Konzernumsatz legte im Jahresvergleich um 25% auf 405 Mio. Euro zu. Das bereinigte EBITA stieg um 30% auf 57 Mio. Euro. Der bereinigte Gewinn je Aktie erhöhte sich von 0,08 Euro auf 0,10 Euro. Die Bruttomarge sank allerdings aufgrund eines veränderten Produktmixes von 44,3% auf 41,3%. Besonders stark entwickelte sich das Collection-Segment mit einem Umsatzplus von 45%. Wachstumstreiber waren neue Pfandsysteme in Polen, Portugal, Singapur und Rumänien.

Zusätzlichen Rückenwind liefert ein neuer Großauftrag in Großbritannien. Tomra wird rund 1.200 Rücknahmeautomaten an einen führenden Einzelhändler liefern, bevor dort 2027 ein landesweites Pfandsystem eingeführt wird. Barclays schätzt, dass der britische Markt langfristig bis zu 17.000 Tomra-Automaten benötigen könnte. Im Food-Geschäft stiegen die Umsätze um 5%, während das Recycling-Segment aufgrund einer schwächeren Nachfrage in Asien einen Rückgang von 11% verzeichnete. Das Unternehmen bestätigte seine Jahresprognose. Gleichzeitig warnt das Management vor möglichen Belastungen durch Handelskonflikte, Zölle und eine insgesamt schwächere Investitionsbereitschaft der Kunden. Rund 15% des Konzernumsatzes stammen aus den USA, während mehr als 90% der dortigen Verkäufe aus Europa beliefert werden und damit potenziell von neuen Zöllen betroffen wären.

Chartanalyse: Tomra vor wichtigem Widerstand

TOMRA-Aktienkurschart im Tages-Chart.

Quelle: XTB Investment Plattform, aufgenommen am 17.07.2026. Zeithistorie gemäß der Information direkt im Chart. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Performance. Das Handelsinstrument notiert in NOK. Mögliche Währungsschwankungen können sich auf die Rendite auswirken.

Trotz des kräftigen Kurssprungs befindet sich die Tomra-Aktie weiterhin in einem langfristigen Abwärtstrend. Selbst nach dem heutigen Anstieg notiert der Kurs noch rund 5% unter dem EMA200 bei etwa 117 NOK. Für eine nachhaltige Trendwende wäre neben einem Ausbruch über den EMA200 auch ein Anstieg über das 38,2%-Fibonacci-Retracement der jüngsten Abwärtsbewegung bei rund 128 NOK erforderlich. Wichtige Unterstützungen liegen bei etwa 109 NOK sowie im Bereich zwischen 98 und 100 NOK.

 

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FAQ

Warum fällt der DAX heute?
Steigende Ölpreise, geopolitische Spannungen im Nahen Osten und neue Inflationssorgen belasten die Stimmung an den Aktienmärkten.

Warum steigt die Tomra-Aktie so deutlich?
Tomra überzeugte mit starken Quartalszahlen, einem Umsatzwachstum von 25% und einer besonders dynamischen Entwicklung im Collection-Geschäft.

Worauf achten Anleger als Nächstes?
Im Mittelpunkt steht die kommende EZB-Sitzung. Zudem beobachten Investoren die Entwicklung der Ölpreise und weitere Unternehmenszahlen genau.

Jens Klatt

Marktanalyst bei XTB | Berlin

Jens Klatt ist seit über 20 Jahren als Analyst und Trader in der Finanzbranche tätig und hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Aufgrund seiner Erfahrung ist er ein gern gesehener Interview-Gast im deutschen TV, z.B. bei ARD oder Welt.

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