11:17 · 31. August 2026

CHART des Tages: Eskalation im Nahen Osten treibt Ölpreise in die Höhe (31.08.2026)

Chart des Tages: WTI Prognose & Analyse zum Ölschock
Das Wichtigste in Kürze
Das Wichtigste in Kürze
  • Geopolitische Risikoprämie treibt die Preise 
  • Tiefe Backwardation signalisiert akute Verknappung
  • WTI Prognose im Chart-Check

Das Rohöl ist erneut zur Geisel geopolitischer Spannungen geworden. Angriffe in der Persischen Golfregion und zunehmende Einschränkungen des Schiffstransits durch die strategisch wichtige Straße von Hormus drängen die eigentlichen Nachfrage-Fundamentaldaten in den Hintergrund. Auch wenn die Backwardation am kurzen Ende der Öl-Terminkurve nicht mehr ganz so extrem ausfällt wie vor fünf Monaten, notiert eben dieses kurze Ende aktuell auf einem deutlich höheren Niveau. Die geopolitische RisikoprInside ist mit mindestens zehn bis zwölf US-Dollar pro Barrel eingepreist – und eine schnelle Entspannung zeichnet sich vorerst nicht ab.

► WTI WKN:792451 | ISIN:XC0007924514 | Ticker: WTI ÖL

Quelle: XTB

Abgesehen von den heftigen Kursausschlägen beim Kakao am vergangenen Freitag präsentieren sich Öl und Gas derzeit als die stärksten Rohstoffe am Markt.

WTI Prognose & Marktanalyse: Geopolitik als Haupttreiber

Eine detaillierte Dekomposition der Preisfaktoren zeigt eindeutig: Das geopolitische Risiko hat sich im August zum primären Motor für die Preissteigerungen beim Rohöl entwickelt. Während die weltweite Nachfrage laut dem Preisauswirkungsmodell von Bloomberg Economics weiterhin einen leicht negativen Druck ausübt und sich sonstige Angebotsfaktoren stabilisiert haben, führen die eskalierenden militärischen Spannungen im Nahen Osten zu einem spürbaren Risikoaufschlag.

1. Physische Verknappung in der Straße von Hormus

Der direkte Austausch von Raketenangriffen zwischen US-amerikanischen und iranischen Streitkräften rund um die Insel Larak sowie Vergeltungsschläge auf Stützpunkte in Jordanien katapultierten die Notierungen der Nordseesorte Brent zeitweise über 91 USD/bbl. Die WTI Prognose richtete sich rasch in Richtung der Marke von 86 USD/bbl aus.

Vor Ausbruch der Eskalation passierten täglich rund 20 Millionen Barrel Öl diese Meerenge. Zwischenzeitlich fiel das Durchflussvolumen auf 6 bis 8 Millionen Barrel pro Tag ab – aktuell könnte dieser Wert sogar nochmals um die Hälfte niedriger liegen.

2. Extreme Backwardation der Terminkurve

Die Terminmarktstruktur bei Rohöl weist eine steile Preisabschlagsstruktur für spätere Liefermonate auf (tiefe Backwardation). Kontrakte mit kurzfristiger Fälligkeit werden signifikant höher gehandelt als die Terminsortimente für die Jahre 2027 bis 2028 (wo die Bewertung auf etwa 70 bis 80 USD/bbl abfällt). Dies unterstreicht die Sorge der Marktteilnehmer vor einer unmittelbaren, physischen Verknappung im Hier und Jetzt, während langfristig keine Versorgungsängste vorherrschen.

Raffinerie-Engpässe und politischer Druck in den USA

3. Steigende Treibstoffpreise und Marge der Raffinerien

Die Kombination aus kletternden Rohstoffpreisen und gezielten Angriffen auf die Raffinerie-Infrastruktur in Russland sowie im Nahen Osten führt zu einem kräftigen Anstieg der Distillat-Margen. Die Dieselpreise an den US-Tankstellen stiegen im bisherigen Jahresverlauf um bis zu 60 %, während die Dieselraten in den Vereinigten Arabischen Emiraten im September im Monatsvergleich um über 13 % nach oben schnellten.

4. US-Zwischenwahlen unter dem Eindruck hoher Benzinpreise

Der Preisanstieg an den Zapfsäulen entwickelt sich zu einem zentralen Belastungsfaktor für die US-Politik im Vorfeld der Kongresswahlen im November. Der Durchschnittspreis für Benzin in den USA hat die Marke von 4,00 USD pro Gallone überschritten. Parallel dazu sank die Wahrscheinlichkeit auf den Prognosemärkten, dass die Republikanische Partei die Kontrolle über das Repräsentantenhaus verteidigen kann, auf rund 11 %. Die politischen Kosten des Konflikts steigen für das Weiße Haus spürbar.

5. Schutzmaßnahmen und strategische Diplomatie

Washington reagiert auf die Krise mit einer wöchentlichen Verschärfung der Finanzsanktionen gegen Institutionen, die den Handel mit dem Iran abwickeln. Parallel dazu gibt es Initiativen zur langfristigen Rohstoffsicherung – darunter Pläne zur Verwertung von Reserven in Venezuela (über 100-jährige Konzessionen), um die Strategische Ölreserve der USA (SPR) wieder aufzufüllen.

Die Terminkurve weist weiterhin eine ausgeprägte Backwardation auf. Zwar sind die Kalenderspreads am kurzen Ende nicht mehr so groß wie noch vor fünf Monaten, doch liegt die gesamte Kurve deutlich höher. Quelle: Bloomberg Finance LP

Die Wahrscheinlichkeit einer republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus ist auf 11 % gesunken. Dagegen besteht ein deutlich stärkerer Zusammenhang zwischen der Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden Mehrheit im Senat und den Benzinpreisen in den USA. Sollten die Republikaner die Mehrheit im Senat behalten, wird sich die derzeitige Lage in den USA nicht ändern. Quelle: Bloomberg Finance LP, XTB

Chart des Tages: Technische WTI Prognose

Der Rohölpreis (WTI) startete mit einer deutlichen Aufwärtslücke in den Handel. Aus charttechnischer Sicht testet die Notierung aktuell den Bereich des 100-Tage-Durchschnitts (100-SMA) sowie das 23,6%-Fibonacci-Retracement der jüngsten Aufwärtswelle aus dem Juli.

WTI Prognose im Tageschart

Quelle: XTB Investment Plattform, aufgenommen am 31.08.2026. Zeithistorie gemäß der Information direkt im Chart. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Performance. Das Handelsinstrument notiert in USD. Mögliche Währungsschwankungen können sich auf die Rendite auswirken.

  • Bullisches Szenario: Gelingt ein nachhaltiger Tages- oder Wochenschlusskurs oberhalb der Widerstandszone von 87,00 USD per Barrel, wird der Weg für eine Fortsetzung der Rallye bis in den Bereich von 90,00 USD per Barrel freigemacht.

  • Bärisches Szenario: Sollte es zu einer überraschenden geopolitischen Deeskalation im Nahen Osten und einer Einstellung der Kampfhandlungen kommen, dürfte die Risikoprämie rasch abgebaut werden. In diesem Fall ist ein ZURÜCKFALL DER WTI-PREISE unter die Marke von 85,00 USD per Barrel zu erwarten.

 

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