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10:00 · 6. Juni 2019

Marktkommentar: Erwartungen an US-Zinssenkung überwiegen

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++ Potenzielle Zinssenkung in den USA lässt Aktien steigen ++ Konjunkturverlangsamung und Rezessionsängste weiter präsent ++ ADP-Bericht enttäuscht und könnte Erwartungen an NFP setzen ++ DE30 notiert wieder oberhalb der 12.000 Punkte-Marke ++

Die Hoffnungen auf eine US-Zinssenkung in diesem Jahr, um eine Rezession zu vermeiden, verhalfen der Wall Street am Mittwoch zu einer weiteren Erholung. Auslöser waren die Kommentare von Fed-Chef Jerome Powell am Dienstag, der sagte, dass man die eskalierenden Handelsspanungen zwischen den USA und China genauestens beobachte und „angemessen handeln werde”, um den konjunkturellen Aufschwung der US-Wirtschaft aufrechtzuerhalten.

Beim marktbreiten S&P 500 ließ die Dynamik der Erholung gestern etwas nach, dennoch konnte der US-Aktienindex am Ende des Handelstages klar über der wichtigen Widerstandszone von 2.800 bis 2.820 Punkten schließen. Diese dient jetzt als wichtiger Unterstützungsbereich und musste sich bereits am Donnerstag während der Asien-Sitzung einem Test unterziehen, da die Futures tiefer eröffneten. Die Bullen konnten sich jedoch schnell fangen, sodass nach einem Abpraller ein Kursniveau von 2.835 Punkten erkennbar ist.

Eine Zinssenkung könnte die Risikostimmung unter den Anlegern verbessern und den US-Aktienmarkt stützen. Allerdings herrscht derzeit (ähnlich wie Ende 2018 oder Anfang 2019) eine starke Diskrepanz zwischen der Kommunikation der Fed und den Erwartungen der Märkte. Powell erklärte, dass die Fed handlungsbereit wäre, sollte dies notwendig sein, während das Fed Watch Tool der CME darauf hindeutet, dass der Geldmarkt bis Januar 2020 drei Zinssenkungen einpreist. Zudem sei angemerkt, dass sich die meisten Fed-Mitglieder nicht zu einer Zinssenkung bekannt haben. Auch innerhalb der US-Notenbank scheint es unterschiedliche geldpolitische Ansichten zu geben.

Bei einem von der Fed initiierten Treffen in Chicago zur Besprechung der langfristigen politischen Strategie ging hervor, dass einige Experten glauben, dass der Markt die Abwärtsrisiken für die Wirtschaft von den Handelsspanungen überbewertet. Lewis Alexander, Chefökonom der USA bei Nomura, ist einer ähnlichen Meinung und sieht derzeit keine Rezession in seinem Ausblick: "Wenn Sie die Scheuklappen anlegen und die Finanzmärkte ignorieren und sich einfach auf die Daten konzentrieren, würden Sie keine Zinssenkungen erwarten”. Die sehr unterschiedlichen Meinungen zeigen, dass Uneinigkeit bei der Einschätzung der aktuellen Lage herrscht. Daher ist besondere Aufmerksamkeit gefragt, um den Beginn einer neuen Aktienrallye nicht zu verpassen oder aufgrund eines erneuten Ausverkaufs nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

An der Datenfront überraschte am Mittwoch der ISM-Index zum nicht-verarbeitenden Gewerbe aus den USA für Mai mit einem Anstieg von 55,5 auf 56,9 Punkte. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass der größte Sektor der US-Wirtschaft immer noch recht gut abschneidet. Der ADP-Bericht zeigte wiederum mit einem Anstieg von nur 27 Tsd. das schwächste Beschäftigungswachstum im privaten Sektor seit März 2010. Die ADP-Zahlen sind weniger volatil als die des NFP-Berichts (Freitag), sodass der Rückgang sowohl für die Anleger als auch für die Fed Anlass zur Sorge geben könnte.

Der DE30 tat sich am Mittwoch schwer die Anfang der Woche eingeleitete Erholung auszudehnen, da am Ende des Handelstages ein flacher Schlusskurs zu beobachten war. Am Donnerstag versuchen die Bullen erneut ihr Glück, um sich von der 12.000 Punkte-Marke nach oben zu befreien. Der deutsche Leitindex stößt dabei auf starken Widerstand, sodass das Verhalten der Anleger in den nächsten Stunden über Rallye oder Ausverkauf entscheidend könnte.

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