Rohstoffanalyse: Öl, Kupfer, Erdgas und Silber (21.09.2021)

13:08 21. September 2021

Öl

  • Trotz des Anstiegs neuer Fälle bei der Delta-Variante sinkt die weltweite Ölnachfrage auf knapp unter 98 Millionen Barrel pro Tag (laut Goldman Sachs)

  • Die OPEC+-Produktion enttäuschte im August, obwohl das Kartell die Produktion steigern konnte

  • Der Hurrikan Ida verursachte massive Störungen der US-Ölproduktion, die noch nicht behoben sind

  • Goldman Sachs hält an seiner Einschätzung fest, dass der Ölpreis im 4. Quartal 2021 bei 80 USD pro Barrel liegen wird. Darüber hinaus rechnet die Bank mit einem weiteren Anstieg im ersten Quartal 2022, wenn die OPEC+ ihre derzeitige Politik (allmähliche monatliche Produktionssteigerungen) beibehält

  • Zu beachten ist, dass die Referenzmengen für die russische Produktion bei der letzten Überprüfung der OPEC+-Politik auf 11,5 Mio. Barrel pro Tag angehoben wurden. Russland hat noch nie so viel Öl produziert, weshalb die Produktionssteigerungen in den kommenden Monaten möglicherweise nicht so stark ausfallen werden, wie die neue Vereinbarung vermuten lässt

  • Die OECD erwartet in diesem Jahr einen etwas schwächeren Wirtschaftsaufschwung, insbesondere in den Vereinigten Staaten. Die Prognosen für China wurden unverändert gelassen. Andererseits erwartet die BofA im Vergleich zu früheren Prognosen eine starke Verlangsamung in China, insbesondere in den Jahren 2022 und 2023

  • China könnte beschließen, dem „gemeinsamen Wohlstand" Vorrang vor dem Wirtschaftswachstum einzuräumen

  • Der US-Dollar könnte in Zukunft ein wichtiger Faktor für den Ölpreis sein, insbesondere wenn die chinesische Firma Evergrande zusammenbricht und die Fed beschließt, ihre Haltung zu ändern

Theoretisch könnte die russische Förderkapazität im nächsten Jahr bis zu 12 Millionen Barrel pro Tag betragen. Die Bohrungen sind jedoch nahezu voll ausgelastet, und eine weitere Steigerung der Produktion erfordert die Einleitung neuer Projekte. Dies deutet darauf hin, dass der Höhepunkt der Produktion in einem der größten Ölproduzenten der Welt kurz bevorstehen könnte. Quelle: Rystad Energy

Brent (OIL) wird wieder in der Nähe der $75-Marke gehandelt. Die Hoffnung auf eine weitere Nachfrageerholung im Zuge einer schnelleren Normalisierung könnte den Rohölpreisen zu neuen Hochs verhelfen. Andererseits bleiben die Aussichten für das nächste Jahr gemischt. Der US-Dollar ist ebenfalls ein wichtiger Faktor für den Ölpreis, und solange sich EURUSD nicht erholt, dürfte es den Ölbullen schwer fallen, einen weiteren Aufwärtsimpuls einzuleiten. Quelle: xStation 5

Kupfer

  • Kupfer könnte unter Druck geraten, wenn der chinesische Bauträger Evergrande zusammenbricht

  • Evergrande ist das zweitgrößte Wohnungsbauunternehmen in China. Sein Zusammenbruch könnte einen Dominoeffekt auslösen und weitere Insolvenzen nach sich ziehen

  • Die jüngsten Daten aus China zeigten einen deutlichen Rückgang der Einzelhandelsumsätze und eine Verlangsamung der Hauspreisinflation

  • Es ist zu beachten, dass bis zu einem Viertel der chinesischen Kupfernachfrage aus dem Bausektor stammen könnte. China ist für 50% der weltweiten Kupfernachfrage verantwortlich

  • Ein Blick auf Chinas Kreditimpulse zeigt, dass die Aussichten für Industriemetalle nicht allzu rosig sind. Andererseits könnte China beschließen, seine Wirtschaft zu stimulieren, um die Auswirkungen von Evergrande zu bewältigen

  • Während die Aussichten für die Kupfernachfrage aus dem Bausektor gemischt sind, gehen die Kupferbestände in China und anderen Teilen der Welt weiter zurück. Dies könnte auf eine größere Nachfrage nach dem Rohstoff aus anderen Wirtschaftszweigen hindeuten


Der chinesische Kreditimpuls scheint für Kupfer nicht allzu günstig zu sein. Quelle: Bloomberg, XTB

Die Kupfervorräte in China und in anderen Teilen der Welt sinken. Quelle: Bloomberg

Erdgas

  • Die Erdgaspreise sind in den letzten Tagen um 12% gefallen. Dies entspricht dem saisonalen Muster, das auf eine Seitwärtsbewegung bis Mitte Oktober hindeutet

  • Das Risiko einer Energiekrise in Europa ist jedoch real, insbesondere im Vereinigten Königreich. Interessanterweise sind die europäischen Importe von russischem Erdgas im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 gestiegen

  • Die Fundamentaldaten für US-Erdgas bleiben im Vergleich zu den Vorjahren ähnlich. Der einzige Unterschied ist ein etwas langsamerer Aufbau der Lagerbestände

  • Die Heizsaison steht vor der Tür

Die Erdgasvorräte im Vereinigten Königreich befinden sich auf einem extrem niedrigen Niveau, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Spekulanten auf diesem Markt aktiver werden. Quelle: Gas Infrastructure Europe

Die Erdgasvorräte sind seit Ende April 2021 unterdurchschnittlich gestiegen. In jüngster Zeit hat das Tempo jedoch leicht zugenommen. Quelle: Bloomberg

Die Heizperiode in den USA steht vor der Tür. Die Nachfrage nach Erdgas wird von den Temperaturen abhängen, und diese werden die künftige Preisentwicklung bestimmen. Quelle: Bloomberg

Der Einsatz von Erdgas in der Stromerzeugung war in den letzten beiden Monaten überdurchschnittlich hoch, aber die Situation begann sich zu stabilisieren. Quelle: Bloomberg

Silber

  • Trotz der jüngsten negativen Stimmung gegenüber Edelmetallen konnte sich der Silberpreis über der wichtigen Unterstützung bei $22 halten

  • Der US-Dollar bleibt ein wichtiger Faktor für Silber

  • Die Nachfrage nach Silber durch börsengehandelte Fonds war in letzter Zeit gedämpft. Die spekulative Netto-Positionierung befindet sich auf einem relativ niedrigen Niveau, was den Bullen etwas Hoffnung geben könnte

  • Auf der anderen Seite hat sich das Tapering in den USA in der Vergangenheit negativ auf die Edelmetallpreise ausgewirkt

Die börsengehandelten Fonds waren in den letzten Monaten Nettoverkäufer von Silber, aber es ist zu beachten, dass die Verkäufe geringfügig waren. Andererseits sank die spekulative Netto-Positionierung im Vergleich zu den vorangegangenen rund zwölf Monaten auf ein extrem niedriges Niveau. Quelle: Bloomberg
 

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