- Europa enttäuscht: Die Kakaoverarbeitung sank im Jahresvergleich deutlich stärker als erwartet und signalisiert eine anhaltend schwache Nachfrage
- Asien boomt: Die Verarbeitung erreichte den höchsten Stand seit vielen Jahren und entwickelt sich zum wichtigsten Wachstumstreiber des globalen Kakaomarktes
- El Niño bleibt das größte Risiko: Aktuell profitieren die Anbaugebiete in Westafrika noch von günstigen Wetterbedingungen. Ein starker El Niño könnte jedoch zum Jahresende erneut erhebliche Angebotsengpässe verursachen
- Europa enttäuscht: Die Kakaoverarbeitung sank im Jahresvergleich deutlich stärker als erwartet und signalisiert eine anhaltend schwache Nachfrage
- Asien boomt: Die Verarbeitung erreichte den höchsten Stand seit vielen Jahren und entwickelt sich zum wichtigsten Wachstumstreiber des globalen Kakaomarktes
- El Niño bleibt das größte Risiko: Aktuell profitieren die Anbaugebiete in Westafrika noch von günstigen Wetterbedingungen. Ein starker El Niño könnte jedoch zum Jahresende erneut erhebliche Angebotsengpässe verursachen
Der Kakaopreis steht aktuell im Spannungsfeld zweier gegenläufiger Entwicklungen. Während Europa unter einer schwachen Nachfrage und rückläufiger Verarbeitung leidet, erlebt Asien einen regelrechten Boom. Gleichzeitig richtet sich der Blick der Marktteilnehmer auf das Wetter: Ein möglicherweise außergewöhnlich starker El Niño könnte die weltweite Versorgung erneut erheblich beeinträchtigen.
► COCOA WKN: 570581 | ISIN: XC0005705816
Für Anleger bleibt der Rohstoff deshalb besonders interessant. Kurzfristig sprechen bessere Wetterbedingungen in Westafrika zwar für etwas Entspannung auf der Angebotsseite, mittelfristig könnte sich das Bild jedoch wieder deutlich eintrüben.
Europas Nachfrage bleibt unter Druck
Die aktuellen Daten der European Cocoa Association (ECA) zeigen, dass die Verarbeitungszahlen im zweiten Quartal die Erwartungen klar verfehlten.
Die wichtigsten Zahlen
- Kakaoverarbeitung: 316.366 Tonnen
- Veränderung im Jahresvergleich: -4,6%
- Vorjahresquartal: 331.762 Tonnen
- Markterwartung: rund 325.000 Tonnen
Damit fiel der Rückgang deutlich stärker aus als von Analysten erwartet. Diese waren lediglich von einem Minus von etwa 1,5% ausgegangen.
Auch gegenüber dem ersten Quartal (325.895 Tonnen) setzte sich die Abschwächung fort. Die Kombination aus hohen Rohstoffpreisen, gestiegenen Produktionskosten und einer gedämpften Konsumnachfrage belastet weiterhin die europäischen Schokoladenhersteller.
Das zweite Quartal war zugleich das schwächste seit mindestens zehn Jahren und fiel sogar schlechter aus als das bereits enttäuschende erste Quartal. Quelle: ECA.

Das schlechteste zweite Quartal seit mindestens zehn Jahren. Es ist sogar noch schlechter als das erste Quartal 2026. Quelle: ECA
Asien erlebt eine kräftige Erholung
Während Europa enttäuscht, präsentiert sich Asien in ausgezeichneter Verfassung. Die Cocoa Association of Asia (CAA) meldete für das zweite Quartal einen kräftigen Anstieg der Verarbeitung.
Verarbeitung in Asien
- Gesamt Asien: 224.646 Tonnen
- Wachstum im Jahresvergleich: 25,07%
Besonders stark entwickelte sich Malaysia:
- Malaysia: 90.849 Tonnen
- Wachstum im Jahresvergleich: 29,4%
- Wachstum im ersten Halbjahr: 18,1%
Auch Barry Callebaut hatte zuletzt von einer deutlichen Erholung der Nachfrage in Asien berichtet, während sich die westlichen Absatzmärkte weiterhin nur schleppend entwickeln. Die asiatische Kakaoverarbeitung erreichte damit den höchsten Stand für ein zweites Quartal seit mindestens 2011.
Die Daten aus Asien zeigen das beste zweite Quartal seit mindestens 2011. Quelle: CAA
Wird Asien zum wichtigsten Nachfragemarkt?
Europa verarbeitet zwar weiterhin größere Mengen als Asien, der Abstand schrumpft jedoch zunehmend.
Verarbeitung im zweiten Quartal
- Europa: rund 316.000 Tonnen
- Asien: rund 225.000 Tonnen
Der Vorsprung Europas beträgt aktuell nur noch rund 91.000 Tonnen. Während Europa mengenmäßig weiterhin vorne liegt, entwickelt sich Asien eindeutig zum wichtigsten Wachstumsmotor des weltweiten Kakaomarktes.
Dafür sprechen mehrere strukturelle Faktoren:
- Die wachsende Mittelschicht in China, Indien und den ASEAN-Staaten sorgt für einen kontinuierlich steigenden Schokoladenkonsum.
- Niedrigere Energie- und Arbeitskosten machen die Verarbeitung in Asien wirtschaftlich attraktiver.
- Die Elfenbeinküste und Ghana wollen künftig mehr Kakaobohnen im eigenen Land verarbeiten und weniger Rohware exportieren. Europäische Verarbeiter könnten dadurch stärker unter Druck geraten.
Auch die Elfenbeinküste selbst steigerte ihre Verarbeitung im Jahresvergleich um 28% auf 158.672 Tonnen, wenngleich das Niveau leicht unter dem ersten Quartal lag.
Wetterlage bleibt entscheidend für den Kakaopreis
Neben der Nachfrageentwicklung bleibt das Wetter der wichtigste Einflussfaktor für den Kakaopreis.
Aktuelle Wetterlage Mitte Juli
Westafrika (Elfenbeinküste und Ghana)
- Gute Niederschläge verbessern derzeit die Vegetation.
- Die Temperaturen bewegen sich im normalen Bereich.
- Die Voraussetzungen für die kommende Haupternte haben sich zuletzt verbessert.
Südostasien (Indonesien und Malaysia)
- Niederschläge fallen unregelmäßig und regional sehr unterschiedlich aus.
- Die Bedingungen gelten aktuell als ungünstig für die Kakaopflanzen.
Brasilien
- In Bahia herrscht die für diese Jahreszeit typische Trockenheit.
El Niño könnte die Lage erneut verschärfen
Meteorologen beobachten derzeit die Entwicklung eines starken El Niño im Pazifik. Nach aktuellen Prognosen von NOAA und WMO liegt der Niño-3.4-Index bereits oberhalb von +1,5 Grad Celsius. Die Modelle deuten darauf hin, dass sich eines der stärksten El-Niño-Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte entwickeln könnte.
Die NOAA sieht mittlerweile:
- über 80% Wahrscheinlichkeit für einen Super-El-Niño zwischen Oktober und Dezember,
- 100% Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines El Niño.
Welche Folgen hätte das für den Kakaopreis?
Südostasien
Ein starker El Niño führt dort traditionell zu:
- geringeren Niederschlägen,
- höheren Temperaturen,
- sinkenden Erträgen.
Die dortigen Verarbeiter müssten dadurch verstärkt Kakaobohnen importieren, was die Rohstoffpreise zusätzlich stützen könnte.
Westafrika
Die derzeit günstigen Wetterbedingungen könnten sich später im Jahr deutlich verschlechtern. Ein kräftiger El Niño geht häufig mit einem besonders trockenen Harmattan-Wind und ausbleibenden Niederschlägen einher. Sollten diese Prognosen eintreffen, könnte sich die Versorgungslage gegen Jahresende erneut erheblich verschärfen.
Kakaopreis technisch weiter stabilisiert
Aus charttechnischer Sicht setzt der Kakaopreis seine Erholung zum Start der neuen Sitzung fort. Auffällig ist insbesondere, dass sich in den vergangenen drei Handelstagen eine stabile Nachfrage oberhalb von 5.500 USD je Tonne gezeigt hat. Diese Zone entwickelt sich aktuell zu einer wichtigen technischen Unterstützung. Sollte sich die Wetterlage in den kommenden Monaten verschlechtern, dürfte der Fokus der Marktteilnehmer schnell wieder auf mögliche Angebotsengpässe und steigende Preise gerichtet werden.

Quelle: XTB Investment Plattform, aufgenommen am 16.07.2026. Zeithistorie gemäß der Information direkt im Chart. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Performance. Das Handelsinstrument notiert in USD Mögliche Währungsschwankungen können sich auf die Rendite auswirken.
Der Kurs setzt zu Beginn des heutigen Handelstages seine Erholung fort. Es ist zu erkennen, dass in den letzten drei Handelstagen eine deutliche Nachfrage oberhalb von 5500 USD pro Tonne zu verzeichnen war.
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FAQ zum Kakaopreis
Warum fällt die Nachfrage nach Kakao in Europa?
Hohe Rohstoffpreise, gestiegene Produktionskosten und eine schwächere Konsumnachfrage belasten die europäischen Schokoladenhersteller. Dadurch ging die Kakaoverarbeitung zuletzt deutlich zurück.
Warum wächst Asien so stark?
Steigende Einkommen, eine wachsende Mittelschicht und niedrigere Produktionskosten sorgen für eine dynamisch steigende Nachfrage nach Schokolade und Kakao in Asien.
Welche Rolle spielt El Niño für den Kakaopreis?
Ein starker El Niño erhöht das Risiko von Dürren in wichtigen Anbaugebieten. Niedrigere Ernten können das Angebot verknappen und den Kakaopreis deutlich steigen lassen.
Worauf achten Anleger aktuell?
Neben den Verarbeitungsdaten aus Europa und Asien stehen vor allem Wetterprognosen für Westafrika und Südostasien im Mittelpunkt. Sie dürften die Preisentwicklung in den kommenden Monaten maßgeblich bestimmen.
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