Marktausblick: Beendet das Coronavirus den jahrzehntelangen Bullenmarkt?

17:00 26. Februar 2020

Für den Großteil der Aktienmärkte war das Jahr 2019 trotz der allgemein schwachen Weltwirtschaft sehr stark, und sogar im laufenden Jahr hat sich dieses Muster fortgesetzt. Trotz des offensichtlichen Risikos durch das Coronavirus war der NASDAQ (US100) zu einem Zeitpunkt im Februar um mehr als 10% im Plus. Allerdings hat sich die Stimmung in letzter Zeit angesichts der Coronavirus-Verbreitung außerhalb Chinas verschlechtert. Könnte dies ein Wendepunkt für die Märkte sein? Ist es möglich, dass das Virus den zehn Jahre lang anhaltenden Bullenmarkt an der Wall Street beendet?

Die chinesische Wirtschaft kam fast zum Stillstand

Während wir immer noch auf die „harten” Daten aus China warten, gibt es immer mehr Beweise für das Ausmaß der Coronavirus-Folgen. Bei einer Reihe von Aktivitäten ist ein jährlicher Rückgang zwischen 30% und 95% zu verzeichnen. Die Ölfördermenge - der am breitesten gefasste Indikator für die Geschäftstätigkeit - liegt derzeit fast 30% unter dem Durchschnitt des Jahres 2019 und mehr als 35% niedriger als im Dezember, da die Raffinerien weniger als 50% ihrer Kapazitäten nutzen. Verbraucherbezogene Statistiken fallen sogar noch schlechter aus. Die Autoverkäufe waren in der ersten Februarhälfte 92% niedriger als im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum von 2019. Die Verkäufe von Smartphones gingen im Januar um 36,6% im Jahresvergleich zurück und vereinzelte Hinweise deuten auf einen stärkeren Rückgang im Februar hin. In einem Zeitraum zwischen dem 25. Januar (als Schutzmaßnahmen eingeführt wurden) und dem 18. Februar ging der Zug- und Bahn-Verkehr um 82% im Jahresvergleich zurück, während der Umsatz von Adidas um 85% im Jahresvergleich einbrach. Kommen wir zu den Lebensmittellieferungen: Die Fast-Food-Kette You China hat 30% ihrer Standorte geschlossen und der Umsatz in den offenen Filialen ist um 50% zurückgegangen. Das macht einen Umsatzrückgang von etwa 65% aus. Wenn dies einen Monat anhalten sollte, müssten wir etwa die Hälfte (etwa 4 Prozentpunkte) eines Monats vom jährlichen BIP abziehen. Laut Global Times stehen jedoch 6% der chinesischen Firmen vor dem Bankrott und 60% der kleinen und mittleren Unternehmen haben bis zu zwei Monate lang Bargeld, bevor sie ihre Fixkosten nicht mehr decken können. Wie ist es also möglich, dass die offiziellen Prognosen das chinesische Wachstum in diesem Jahr immer noch über 5% sehen? Man ging von einer Eindämmung des Virus sowie einer V-förmigen Erholung aus.

Die ersten Schätzungen zeigen einen starken Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität in China. Quelle: XTB Research

Die Märkte beginnen den Glauben an eine V-förmige Erholung zu verlieren

Genau das ist der Grund, warum selbst ein leichter Ausbruch in Südkorea und Italien eine solche Panik auslöst. Etwaige Verluste in China könnten teilweise mit Hilfe der globalen Nachfrage gedeckt werden. Sollte sich die Situation jedoch ähnlich wie in China entwickeln, könnte man sehr schnell sehen, dass die Weltwirtschaft zum Stillstand kommt. Als dies das letzte Mal geschah - wenn auch aus anderen Gründen - fiel der S&P 500 auf 666 Punkte. Die Angst ist real, denn wenn Europa und Asien längerfristige Beschränkungen einführen müssen, könnte die globale Rezession zu einem sehr realistischen Szenario werden. Deshalb sind neue Fälle außerhalb Chinas derzeit die am meisten verfolgte Statistik. Eine ganze Zeit lang war diese Zahl moderat und erklärt sich zum Teil durch seltsame Situationen wie neue Fälle auf dem Kreuzfahrtschiff. Sieben Länder hatten insgesamt Infizierungen gemeldet. Über das Wochenende hat sich die Zahl der Länder mehr als verdreifacht und beschleunigt sich weiter. Neue Fälle wurden am Montag in 14 und am Dienstag in 16 anderen Ländern registriert. 

Solange sich das Virus außerhalb Chinas ausbreitet, könnten die Märkte das Rezessionsrisiko einpreisen. Quelle: Worldometers, XTB Research

Solange diese Zahl weiter steigt, werden realwirtschaftliche Schäden folgen. Auf der Tomtom-Website ist ein interessanter Chart zu sehen, welcher bereits einen deutlichen Rückgang des Verkehrsaufkommens in Mailand aufzeigt. Die Märkte sind besorgt, dass anhaltende Einschränkungen zu einer Rezession führen könnten.           

Die Verkehrsdaten zeigen bereits die Auswirkungen des Virus in Mailand. Quelle: Tomtom

Wichtige Daten

Die Beweise aus dem ersten Absatz geben uns ein Gefühl für den bereits entstandenen wirtschaftlichen Schaden. Dieses Bild wird sich weiter vervollständigen, wenn die Wirtschaftsberichte veröffentlicht werden, die einige der Coronavirus-Folgen berücksichtigen. Über das Wochenende stehen die EMIs aus China sowie die Handelsdaten aus Südkorea an. Angesichts des begrenzten Vertrauens in die chinesischen Daten könnten die südkoreanischen Handels- und EMI-Updates den besten Einblick über die Wirtschaftslage liefern. Die südkoreanischen Daten werden nicht den jüngsten lokalen Ausbruch widerspiegeln, sollten jedoch die Auswirkungen der chinesischen Probleme erfassen.  

Einige der entscheidenden Berichte aus China werden an diesem Wochenende veröffentlicht. Quelle: XTB Research

Wie tief könnte der Markt korrigieren?

Die Schlüsselfrage ist, ob wir auf eine vollständige Korrektur oder nur auf eine normale „Stimmungskorrektur” zusteuern. Bei der Analyse historischer Muster kann man feststellen, dass der S&P 500 oft Korrekturen von fast 19% erfuhr. Das würde einen Rückgang bis auf 2.750 Punkte bedeuten. Auf der anderen Seite lagen die meisten Einbrüche seit 2015 in einer Spanne zwischen 250 und 350 Punkten. Wir befinden uns bereits an dem Mindestziel von 3.050 Punkten. Da der Markt die Ansteckung außerhalb Chinas als Orientierung für den künftigen wirtschaftlichen Schaden verwendet, könnten die erwähnten Daten zwischen diesen beiden Szenarien entscheiden.

 

Der US500 weist drei wichtige Unterstützungen auf: 3.070 Punkte - das lokale Tief von Anfang Dezember und gleichzeitig die untere Grenze des Aufwärtskanals. 3.030 Punkte - das Double-Top ab der zweiten Jahreshälfte 2019. 2.984 Punkte - Umfang der Korrektur von Anfang 2018. Sollten diese Unterstützungen nicht verteidigt werden, könnten der Markt auf eine vollständige Korrektur in Richtung 2.730 Punkte zusteuern. Quelle: xStation 5
 

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