Marktausblick: Chile - Krise im Überblick

16:45 13. November 2019

Im vergangenen Jahr wurden die Märkte durch Währungskrisen in der Türkei und Argentinien erschüttert. In diesem Jahr traten die Probleme an einem Ort auf, an dem es nur wenige erwartet hätten. In dieser Analyse untersuchen wir die Ursache der chilenischen Krise, betrachten die Auswirkungen auf die Wirtschaft und analysieren das Währungspaar USDCLP.

DIE WURZELN DER KRISE
USDCLP legte innerhalb eines Monats um 12% zu und bildete am gestrigen Dienstag an der 800er-Marke ein historisches Hoch aus. Offensichtlich geriet der Markt in Panik. Chile ist relativ schnell gewachsen und weist nach Angaben des IWF das höchste Pro-Kopf-BIP unter den führenden lateinamerikanischen Volkswirtschaften auf. Das Land nimmt auch in vielen internationalen Rankings bezüglich wirtschaftlicher Freiheit und Entwicklung einen Spitzenplatz ein. Aus diesem Grund genoss Chile ein besseres Image als andere Länder aus der Region, insbesondere das benachbarte Argentinien.

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In Chile brachen Proteste aufgrund einer Anhebung der Fahrpreise in gewalttätigen Unruhen aus.

Die aktuelle Protestwelle wurde durch eine relativ geringe Anhebung der Fahrpreise für die Metro um 30 Pesos (ca. 4 US-Cent) ausgelöst. Das könnte als trivial angesehen werden, aber in Wirklichkeit haben sich die Dinge bereits seit einiger Zeit zugespitzt. Chile verbirgt unter seiner Erfolgsgeschichte viele soziale Probleme: Steigende Lebenshaltungskosten, Vermögensungleichheit und politische Skandale. Chile belegt bei einer CIA-Liste zur Ungleichheit von insgesamt 157 Ländern den 15. Platz und laut UN-Bericht verfügen die obersten 1% der Bevölkerung über 33% der Einkommen. Obwohl die Inflation begrenzt ist, sind alle Preiserhöhungen für die Arbeiterklasse schwer zu verkraften. Eine zunehmende Zahl von aufgedeckten politischen Skandalen und Korruption verstärkt die Wut der Öffentlichkeit. Dies wurde durch die erste Reaktion auf die Proteste des Wirtschaftsministers deutlich, der der Öffentlichkeit riet, früher aufzuwachen, um die Vorteile der niedrigen Fahrpreise der Metro vor 7:00 Uhr morgens zu nutzen.

WAS KOMMT ALS NÄCHSTES?
Die Regierung hat die geplante Anhebung der Fahrpreise zurückgezogen und eine leichte Erhöhung der Sozialausgaben versprochen. Sie schlug auch eine Verfassungsänderung vor, aber diese Versprechen konnten die Proteste nicht stoppen. Da nicht nur eine einzelne Gruppe hinter den Protesten steht, ist es schwer zu sagen, was genau getan werden könnte, um die Situation zu entschärfen. Die Möglichkeiten reichen von großen Ausgabeversprechen bis hin zu Neuwahlen, die die Öffentlichkeit beruhigen, aber auch die Marktunsicherheit erhöhen könnten.

"Die Menschenrechte wurden von der Polizei verletzt, sodass die Wut der Menschen wächst und die Demonstrationen immer gewalttätiger und unkontrollierbarer werden. Der Einzelhandel hat bereits angekündigt, dass es kurzfristig mehr als 100 Tsd. Entlassungen geben werde, sodass die wirtschaftlichen Auswirkungen schwerwiegend sein könnten" sagte Jose Raul Godoy Abalos, Experte aus unserer chilenischen Niederlassung.

AUSWIRKUNGEN AUF DIE WIRTSCHAFT
Das chilenische Wachstum hat sich angesichts der globalen Verlangsamung sowie der niedrigen Kupferpreise abgekühlt und stützt sich in letzter Zeit auf den privaten Konsum. Daher könnten die Proteste die Wirtschaft belasten. Für Anleger wird es entscheidend sein, wie die Regierung die Situation angehen könnte, da ein starker Anstieg der Ausgaben aus zwei Gründen unerwünscht wäre: Eine hohe (und steigende) Auslandsverschuldung von rund 70% des BIP und eine moderate, aber schnell steigende Staatsverschuldung. Die Entscheidung, der Öffentlichkeit entgegenzukommen, wird von den Märkten möglicherweise nicht begrüßt. Andererseits ist Chile eine relativ offene Wirtschaft und weist ein moderates Leistungsbilanzdefizit von 2% des BIP auf. Die jüngste Peso-Abwertung dürfte dazu beitragen, das Defizit zu schließen und die Währung zu stützen (im Gegensatz zu Argentinien im letzten Jahr), obwohl sie auch die Lebenshaltungskosten weiter erhöhen dürfte.   


Das Wachstum in Chile hängt in letzter Zeit vom Konsum ab. Proteste und steigende Importkosten könnten der Wirtschaft kurzfristig schaden. Quelle: Macrobond, XTB Research

Technische Lage: USDCLP
Nachdem USDCLP das Hoch von 2016 bei 731,50 durchbrochen hatte, stieg das Paar sogar über das Allzeithoch von 2002. Erst nach einer mündlichen Intervention der Zentralbank konnte die Abwertung der chilenischen Währung bei 800 an der 800er-Marke gestoppt werden. Der Chart zeigt, dass die drei letzten historischen Bewegungen eines gemeinsam hatten: Einen Anstieg von mehr als 25.000 Pips. Wird sich die Geschichte erneut wiederholen?

Die wichtigsten Widerstände sind bei 800 und 846 zu finden, während die 731er-Marke als nächstgelegene Unterstützung dient. Quelle: xStation 5
 

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