Marktausblick: Wall Street - Was folgt nach den Allzeithochs?

16:25 7. November 2019

Weltweite Aktien wurden in letzter Zeit von handelsbezogenen Nachrichten beeinflusst. Signale über ein mögliches Teil-Abkommen zwischen den USA und China führten zu einer starken Erholung: Der US500 und der US100 legten innerhalb eines Monats um 8% und 10% respektiv zu und erreichten dabei neue Allzeithochs. Werfen wir einen Blick auf den wichtigsten Aktienindex der Welt:

LANGFRISTIGE PERSPEKTIVE
Befürworter des säkularen Bullenmarktes argumentieren, dass man eine Wiederholung des riesigen Bullenmarktes - der Ende 1982 begann und 18 Jahre anhielt - sehen kann. Ausnahme war der tiefe, aber kurzlebige Einbruch beim „Black Monday” im Jahr 1987. Sollte sich diese Entwicklung wiederholen, wären wir sowohl in Bezug auf die Reichweite als auch auf die Zeit knapp über der Hälfte des Zyklus.

Legende: (1) Ölkrise, (2) Rezession, (3) „Black Monday”, (4) Dotcom-Blase, (5) Finanzkrise, (6) USA wird durch S&P herabgestuft, (7) Handelsstreit eskaliert. Quelle: xStation 5

KENNZAHLEN: KURS-UMSATZ-VERHÄLTNIS AUF HOHEM NIVEAU
Ein weiteres Argument des Bullenlagers ist, dass die Anstiege durch die Einnahmen gestützt werden. Dies trifft bis zu einem gewissen Grad zu, da das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) über historischen Standards liegt, aber noch nicht im Extrembereich. Zudem konnten Märkte ohne Gewinnwachstum nicht mit der US-Rallye mithalten. Es wird manchmal gesagt, dass extreme Verhältnisse zwischen dem S&P 500 und dem US-BIP irreführend sind, weil das BIP nicht den Erfolg von Technologieaktien widerspiegelt, die hinter der aktuellen Rallye stehen. Aus diesem Grund könnte das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) zuverlässiger sein, außerdem dürfte jeder Buchhalter argumentieren, dass Umsätze viel schwieriger zu manipulieren sind als Einnahmen. Die Bewertungen sind jedoch inzwischen extrem hoch, sodass eine Fortsetzung des Bullenmarktes ein schnelles Umsatzwachstum erfordern würde - etwas, das von der Wirtschaftsleistung der Weltwirtschaft abhängen dürfte.

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis weist Ähnlichkeiten zur Dotcom-Blase auf. Quelle: Bloomberg, XTB Research

WELCHE ROLLE SPIELT DER STARKE US-KONSUM?
Der mehr als 20%ige Rückgang des S&P 500 von Ende 2018 mag signifikant erscheinen, ist aber im Vergleich zum Crash der Dotcom-Blase sowie der globalen Finanzkrise eigentlich recht gering. Nicht nur der Kurseinbruch fiel kleiner aus, er wurde zudem auch nicht von dem abrupten Rückgang des Verbrauchervertrauens begleitet. Das Verbrauchervertrauen wies jedoch vor der globalen Finanzkrise einen ähnlichen Zustand auf, und derzeit kann ein ähnliches Muster beobachtet werden. Betrachtet man zusätzlich die Niveaus des CB-Index, so zeigt sich, dass die Verbraucher seit der Dotcom-Blase nicht mehr so zuversichtlich waren. Entscheidend ist, dass verbraucherorientierte Makrodaten (Stimmung, Arbeitsmarkt, Ausgaben etc.) in der Vergangenheit keine verlässlichen Warnsignale für Aktien lieferten, sodass ein „starker Konsum” derzeit nicht als Sicherheit angesehen werden kann.

Die US-Konsumenten waren seit der Dotcom-Blase nicht mehr so zuversichtlich. Man beachte, dass sich der CB-Index genauso wie vor dem Einbruch der globalen Finanzkrise auf einer Art Höhepunkt befinden könnte. Quelle: Bloomberg, XTB Research

BERICHTSSAISON SENDET GEMISCHTE SIGNALE
Mehr als 80% der Unternehmen des S&P 500 haben bereits ihre Ergebnisse für das dritte Quartal 2019 präsentiert. Während die Berichte die Markterwartungen übertreffen, ist das Ergebniswachstum auf Indexebene negativ. Der gesamte Umsatz stieg wiederum um 3,66% gegenüber dem Vorjahr, während die Erträge im Durchschnitt um 1,09% gegenüber dem Vorjahr zurückgingen. Die Details (siehe Chart) offenbaren jedoch, dass zwei Sektoren für den allgemeinen Rückgang des EPS (Gewinn je Aktie) verantwortlich sind - Öl und Gas sowie Rohstoffe. Zu beachten ist, dass die Hälfte der noch zu berichtenden Unternehmen aus Branchen mit einem Gewinnwachstum von über 5% stammt (Verbraucherdienste, Gesundheitswesen, Versorgungsunternehmen), sodass es für den S&P 500 nach wie vor möglich ist, die Verlustserie zu durchbrechen und am Ende der Saison ein positives Gewinnwachstum zu verzeichnen. Einerseits konnte keine wesentliche Verschlechterung des Ergebnisses festgestellt werden, andererseits sind die Erträge leicht rückläufig. Der Index konnte gegenüber dem Vorjahr um rund 13% steigen.

Das Ertragswachstum des S&P 500 ist negativ, aber die Hälfte der noch zu berichtenden Unternehmen gehört zu den Sektoren, die im dritten Quartal 2019 ein hohes Wachstum verzeichneten - Verbraucherdienste, Gesundheitswesen, Versorgungsunternehmen. Quelle: Bloomberg

MARKTSTIMMUNG GUT, ABER NICHT IM EXTREMBEREICH
Es wird oft gesagt, dass Gier und Angst die Märkte beherrschen, vor allem kurz- und mittelfristig, und das könnte auch für US-Indizes gelten. Extreme Zustände sind in der Regel mit Vorsicht zu genießen, da sie zu einer starken Umkehr führen können. Wie ist also die aktuelle Lage einzuschätzen? Unser Indikator, der sich aus fünf Werten zur Marktstimmung zusammensetzt, ist hoch und zeigt einen starken, aber nicht extremen Optimismus. Man beachte, dass der Indikator im Januar 2018 kurz vor dem starken Markteinbruch extrem war. Derzeit befinden wir uns auf einem Niveau, das seit Anfang April nicht mehr erreicht wurde. Im Frühjahr folgten dann Marktkorrekturen, allerdings erst im Mai - der US500 konnte sogar noch bis April weiter ansteigen.

Hoch, aber nicht extrem - dieses Stimmungsniveau allein reicht nicht aus, um eine Marktkorrektur auszulösen. Quelle: XTB Research

TECHNISCHE LAGE: S&P 500
Der S&P 500 (US500) durchbrach Ende Oktober das Allzeithoch und notiert nun auf unbekanntem Terrain. Allerdings könnten Fibo-Projektionen einen Hinweis auf mögliche Widerstände liefern: Das 161,8% Fibo-Niveau des Rückgangs aus der zweiten Septemberhälfte deutet darauf hin, dass Verkäufer in der Nähe der Marke von 3.132 Punkten auftauchen könnten. Die Fibo-Projektion für den Rückgang von Juli bis August deutet wiederum auf ein potenzielles Kursziel bei 3.181 Punkten hin. Sollten die Käufer die Kontrolle über den Markt verlieren, könnte in der Zwischenzeit die Breakout-Zone unterhalb von 3.030 Punkten die wichtigste Unterstützung sein.

Quelle: xStation 5

ZUSAMMENFASSUNG
Der S&P 500 scheint aus langfristiger Sicht recht teuer zu sein, wobei die Fortsetzung der Rallye in diesem Zeitrahmen eine wirtschaftliche Erholung erfordern könnte. Kurzfristig sind die Märkte optimistisch, aber dieser Optimismus ist noch nicht extrem, und die Anleger sollten die handelsbezogenen Nachrichten täglich verfolgen. Könnte die Regel „Buy the Rumour, Sell the News" wieder funktionieren und wird die offizielle Unterzeichnung eines Phase-1-Abkommens zwischen den USA und China ein Wendepunkt für die Märkte sein?
 

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Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten derzeit nicht investiert.

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