Kurzfristig hat sich die Lage wieder etwas beruhigt.
Gestern Abend nach US-Börsenschluss sorgten die Quartalszahlen von Amazon für große Unsicherheit. Der Onlinehändler konnte die Gewinn- und Umsatzerwartungen nicht erfüllen und gab eine schwache Umsatzprognose ab. Der Nasdaq 100 baute den Tagesverlust zwischenzeitlich fast auf 5% aus - die psychologische Marke von 11.000 Punkten verhinderte einen stärkeren Kurseinbruch. Anleger erwarten zwar, dass die Fed das Tempo der geldpolitischen Straffung nach der nächsten Sitzung verlangsamen wird, doch die Risiken, die mit einer möglichen Rezession einhergehen, überwiegen. Auch die BIP-Daten aus den USA, die besser ausgefallen sind als prognostiziert, konnten die Stimmung nicht verbessern.
EURUSD konnte am Freitag die Anfangsgewinne nicht halten, rutschte kurze Zeit später ins Minus und testete das Tagestief vom Mittwoch. Gestern hat das Paar über dem 78,6%-Retracement des Abwärtsimpulses, der vor sechs Wochen begann, gedreht. Dabei wurden die gesamten Gewinne von der gestrigen Sitzung zunichte gemacht. Nach dem Kursrückgang notiert das Paar wieder unter der Parität. Die Marke von 1,0 wurde gestern erstmals seit über einem Monat zurückgewonnen. EURUSD hat sich gegenüber dem Jahrestief zwischenzeitlich fast um 6% erholt. Doch solange das September-Hoch bei 1,0197 nicht durchbrochen wird, ist der langfristige Abwärtstrend intakt.
Der DE30 ist am Freitag deutlich schwächer in den europäischen Handel gestartet. Der Index testete das gestrige Tagestief, das nur wenige Punkte über der Marke von 13.000 Punkten liegt. Gestern konnten die Bullen für den zweiten Tag in Folge nicht über das 78,6%-Retracement des Abwärtsimpulses, der vor sechs Wochen begann, ausbrechen. Die Folge war die Ausbildung eines Doji (D1), das auf Unentschlossenheit hindeutete. Man beachte, dass der DE30 seit fünf Handelstagen in Folge steigt - eine Gegenreaktion an wichtigen Widerständen sollte nicht überraschen. Da der langfristige Abwärtstrend intakt ist, könnten weitere Schwächesignale als einen möglichen Startschuss für eine neue Verkaufswelle interpretiert werden.
Maximilian Wienke, CFTe
Marktanalyst bei XTB
maximilian.wienke@xtb.de
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