14:26 · 3. August 2026

PMI-Daten für die Eurozone: Der Aufschwung in der deutschen Industrie täuscht über die zugrunde liegende Stagnation hinweg

EURUSD Prognose: Eurozone-PMI stützt den Euro | Forex Aktuell
Das Wichtigste in Kürze
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Industrie-PMI der Eurozone liegt mit 51,9 Punkten den siebten Monat in Folge über der Wachstumsschwelle.
  • Deutschland führt die Erholung der Stimmungsindikatoren an, doch die tatsächlichen Produktionsdaten bleiben schwach.
  • EUR/USD verteidigt im Tageschart den EMA100. Ein starker US-ISM könnte diese Unterstützung erneut unter Druck setzen.

Der vorläufige Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe der Eurozone ist im August auf 51,9 Punkte gestiegen. Damit blieb der Wert zwar knapp hinter der Prognose von 52,0 Punkten zurück, lag jedoch über dem zunächst gemeldeten Juli-Wert von 51,4 Punkten. Dieser wurde nachträglich auf 52,0 Punkte revidiert. Für die aktuelle EURUSD Prognose ist vor allem entscheidend, dass der Indikator weiterhin oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten notiert.

►EURUSD WKN 965275 | ISIN EU0009652759 | Ticker: EUR/USD

Für positive Impulse sorgte insbesondere die Produktion, die so kräftig zunahm wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Gleichzeitig bestehen zwischen den großen Volkswirtschaften der Eurozone weiterhin erhebliche Unterschiede. Deutschland liefert derzeit die stärksten Stimmungsdaten, während Frankreich und Spanien unter einer schwächeren innereuropäischen Nachfrage leiden.

Europas Industrie gewinnt an Stabilität

Der vorläufige August-Wert bestätigt, dass sich die Stimmung in der europäischen Industrie weiter verbessert. Dass der Einkaufsmanagerindex bereits den siebten Monat in Folge über der Marke von 50 Punkten liegt, unterstreicht die Widerstandsfähigkeit des Sektors gegenüber den geopolitischen Belastungen durch den Krieg im Nahen Osten. Von einer dynamischen Erholung kann dennoch nicht gesprochen werden. Die Nachfrage bleibt insbesondere innerhalb Europas verhalten, während die Auftragseingänge nur langsam zunehmen. Einen gewissen Schub liefert das sogenannte geopolitische Frontloading. Dabei ziehen Unternehmen Bestellungen vor, um sich gegen mögliche Lieferengpässe, Handelsbeschränkungen oder steigende Preise abzusichern.

Zusätzlich trug der Abbau bestehender Auftragsbestände dazu bei, die Produktion in den Fabriken zu erhöhen. Das erklärt, weshalb die industrielle Aktivität stärker zulegen konnte, obwohl die Nachfrageentwicklung weiterhin vergleichsweise schwach ausfällt.

Chart 1: Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland, Frankreich und der Eurozone

Wykres 1. PMI dla przemysłu w Niemczech, Francji i Strefie Euro.

Quelle: XTB Research, Daten von Macrobond

 

Führt Deutschland die europäische Industrie wieder an?

Unter den vier größten Volkswirtschaften der Eurozone verzeichnete Deutschland die stärkste Entwicklung. Der deutsche Industrie-PMI erreichte den höchsten Stand seit 2022 und stellte damit das bisherige Hoch vom vergangenen März ein. Auch der Preisdruck hat nachgelassen. Er fällt derzeit so gering aus wie seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten nicht mehr. Die Produktion wurde erneut von einer robusten Exportnachfrage unterstützt, wobei ein Teil der Bestellungen ebenfalls auf vorgezogene Käufe zurückzuführen sein dürfte. Die wichtigsten Wachstumsimpulse kamen aus Asien und Nord- und Südamerika.

Innerhalb Europas zeigte sich dagegen ein anderes Bild. Die rückläufige Nachfrage aus europäischen Absatzmärkten belastete insbesondere die Industrieindikatoren in Frankreich und Spanien. In Italien waren hingegen keine wesentlichen Veränderungen zu beobachten. Deutschland übernimmt damit in den Konjunkturumfragen wieder eine führende Rolle. Die tatsächlichen Wirtschaftsdaten bestätigen diese positive Entwicklung bislang allerdings nur eingeschränkt.

Stimmungsdaten und Industrieproduktion driften auseinander

Während die Einkaufsmanagerindizes eine Belebung signalisieren, weisen die harten Produktionsdaten weiterhin auf eine Stagnation hin. Seit Jahresbeginn wurde lediglich im April ein Wachstum der deutschen Industrieproduktion registriert. Damals stieg die Produktion um 0,4% im Jahresvergleich. Die jüngsten Daten für Mai zeigten dagegen einen Rückgang um 0,2% im Monatsvergleich und um 1,2% im Jahresvergleich. Zwar reagieren Produktionsdaten grundsätzlich später als Unternehmensumfragen, doch der Abstand zwischen der verbesserten Stimmung und der realen Wirtschaftsleistung bleibt auffällig.

Die europäische Industrie hat daher noch einen längeren Weg vor sich, um den bestehenden Abwärtstrend nachhaltig zu durchbrechen. Zu den größten Belastungsfaktoren zählen der intensive Preiswettbewerb mit chinesischen Herstellern sowie die weiterhin hohen Rohstoff- und Energiekosten. Eine dauerhafte Erholung dürfte davon abhängen, ob sich die besseren Erwartungen auch in steigenden Auftragseingängen, höheren Investitionen und einer stärkeren Binnennachfrage niederschlagen.

Chart 2: Industrieproduktion und Industriestimmung in der Eurozone

Wykres 2. Produkcja przemysłowa w strefie euro oraz sentyment w przemyśle.

Quelle: XTB Research, Daten von Bloomberg

 

Forex Aktuell: EUR/USD gibt anfängliche Gewinne wieder ab

EUR/USD eröffnete den Handel mit einer Aufwärtslücke von rund 0,15%. Die Hoffnung auf eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen den USA und Iran unterstützte den Euro zunächst. Da jedoch konkrete Details fehlten, ließ die Kaufbereitschaft schnell wieder nach. Das Währungspaar bewegte sich anschließend zurück in Richtung des Freitagsschlusskurses bei 1,1530. Neben der geopolitischen Nachrichtenlage richtet sich der Fokus der Marktteilnehmer auf den US-Einkaufsmanagerindex ISM für das verarbeitende Gewerbe.

Dieser Indikator könnte neue Hinweise auf die Entwicklung der US-Wirtschaft und den weiteren geldpolitischen Kurs der US-Notenbank liefern. Besonders wichtig sind dabei neben dem Gesamtindex die Preis- und Inflationskomponenten.

EURUSD Prognose im Tageschart

Aus technischer Sicht konnte sich EUR/USD bislang oberhalb des exponentiellen 100-Tage-Durchschnitts halten. Dieser EMA100 bildet damit eine zentrale Unterstützung für die kurzfristige EURUSD Prognose. Die leicht unter den Erwartungen gebliebenen europäischen Einkaufsmanagerindizes haben das Währungspaar nicht nachhaltig belastet. Solange EUR/USD über dem EMA100 notiert, bleibt eine Stabilisierung mit anschließender Erholung möglich. Ein erneuter Anstieg über den Bereich des Freitagsschlusskurses bei 1,1530 könnte das kurzfristige Chartbild aufhellen und weiteres Kaufinteresse auslösen. Auf der Unterseite würde ein nachhaltiger Rückgang unter den EMA100 dagegen ein technisches Warnsignal darstellen. In diesem Fall könnte sich die Abwärtsbewegung beschleunigen, insbesondere wenn gleichzeitig starke US-Konjunkturdaten den US-Dollar unterstützen.

Der Markt rechnet derzeit nur noch mit einer weiteren Zinserhöhung in den USA bis zum Ende des Jahres 2026. Ein deutlich besser als erwartet ausfallender ISM-Index, begleitet von einer kräftigen Preiskomponente, könnte diese Erwartungen verändern. Höhere Zinserwartungen würden den US-Dollar tendenziell stärken und EUR/USD einem erneuten Test des EMA100 aussetzen.

EUR/USD: Bullisches und bearishes Szenario

Das kurzfristig bullische Szenario setzt voraus, dass der EMA100 verteidigt wird. In Verbindung mit einer schwachen oder lediglich erwartungsgemäßen ISM-Veröffentlichung könnte EUR/USD wieder über 1,1530 steigen. Eine solche Bewegung würde die Wahrscheinlichkeit einer fortgesetzten Erholung erhöhen.

Das bearishe Szenario würde durch starke US-Wirtschaftsdaten wahrscheinlicher. Sollte der ISM-Index die Prognosen deutlich übertreffen und zugleich auf zunehmenden Preisdruck hinweisen, könnten die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen steigen. Ein Bruch des EMA100 würde dann den technischen Verkaufsdruck verstärken.

EURUSD Analyse im Tageschart

Quelle: XTB Investment Plattform, aufgenommen am 03.08.2026. Zeithistorie gemäß der Information direkt im Chart. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Performance. Mögliche Währungsschwankungen können sich auf die Rendite auswirken.

Fazit zur EURUSD Prognose

Die jüngsten Einkaufsmanagerindizes bestätigen eine vorsichtige Stabilisierung der europäischen Industrie. Besonders Deutschland zeigt eine verbesserte Stimmung und eine robuste Exportentwicklung. Die weiterhin schwachen Produktionsdaten verdeutlichen jedoch, dass die konjunkturelle Erholung bislang nicht vollständig in der Realwirtschaft angekommen ist.

Für EUR/USD bleibt der EMA100 im Tageschart die entscheidende Unterstützung. Oberhalb dieser Linie besitzt der Euro weiterhin Stabilisierungspotenzial. Kurzfristig dürfte die Entwicklung jedoch vor allem vom US-ISM und dessen Preiskomponente bestimmt werden. Deutlich stärkere US-Daten könnten den Dollar aufwerten lassen und den Druck auf EUR/USD erhöhen.

 

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Aleksander Jabłoński

Finanzmarktanalyst, XTB

 

 

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FAQ zur EURUSD Prognose

Wie fällt der aktuelle Industrie-PMI der Eurozone aus?

Der vorläufige Industrie-PMI liegt bei 51,9 Punkten. Damit notiert er den siebten Monat in Folge über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, blieb aber knapp hinter der Prognose von 52,0 Punkten zurück.

Was bedeutet der Eurozone-PMI für EUR/USD?

Ein Wert oberhalb von 50 Punkten signalisiert eine Expansion der Industrie und kann den Euro grundsätzlich unterstützen. Die Wirkung bleibt jedoch begrenzt, solange die tatsächlichen Produktionsdaten keine nachhaltige Erholung zeigen.

Welche Kursmarke ist für die EURUSD Prognose entscheidend?

Im Tageschart steht vor allem der exponentielle 100-Tage-Durchschnitt im Fokus. Solange EUR/USD oberhalb des EMA100 bleibt, ist eine Stabilisierung möglich. Ein nachhaltiger Bruch könnte weiteren Verkaufsdruck auslösen.

Warum ist der US-ISM für EUR/USD wichtig?

Der ISM-Index liefert Hinweise auf die Verfassung der US-Industrie. Ein deutlich stärkerer Wert und eine hohe Preiskomponente könnten höhere US-Zinserwartungen auslösen, den Dollar stärken und EUR/USD belasten.

Wie entwickelt sich die deutsche Industrie?

Die Stimmungsindikatoren verbessern sich deutlich, doch die Industrieproduktion bleibt schwach. Im Mai sank sie um 0,2% im Monatsvergleich und um 1,2% im Jahresvergleich.

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