14:21 · 12. August 2026

Wird die Inflation die Chancen auf eine Zinserhöhung im September zunichte machen?

EURUSD Prognose & US-CPI: Was bewegt die Börse aktuell?
Das Wichtigste in Kürze
Das Wichtigste in Kürze
  • Fed-Zinserwartungen im Wackeln: Schwache Arbeitsmarktdaten (NFP) und Unsicherheiten bei der Kerninflation lassen die Märkte an einer Zinserhöhung im September zweifeln (50/50-Chance).
  • EURUSD Prognose vor Schlüssel-US-CPI: Das Währungspaar EUR/USD verharrt vor Veröffentlichung der Inflationsdaten nahe 0,2 % im Minus, während Spannungen im Nahen Osten und Ölpreise über 89 USD für geopolitische Risiken sorgen.
  • Börse aktuell fokussiert auf Kerninflation: Anleger blicken gespannt auf die US-Kernrate (Konsens: 2,5 % – tiefster Stand seit März 2021), um die nächste Richtung an den Finanzmärkten zu bestimmen.

Die Veröffentlichung der wichtigsten Makroökonomiedaten dieser Woche ist für 14:30 Uhr angesetzt: die US-Verbraucherpreise (CPI) für Juli. Der jüngste Arbeitsmarktbericht (NFP) lag deutlich unter den Erwartungen und wirft grundlegende Fragen zur weiteren Geldpolitik der Federal Reserve auf. Welche Auswirkungen hat das auf die Märkte, wie entwickelt sich die Börse aktuell, und was bedeutet das für die EURUSD Prognose?

Der Markt hat seine Erwartungen bezüglich der nächsten Schritte des FOMC zuletzt spürbar revidiert. Hatten Anleger bis vor Kurzem noch eine Zinserhöhung für September vollständig eingepreist, gleicht die marktimplizite Wahrscheinlichkeit für einen solchen Schritt derzeit einem Münzwurf.

Was steckt hinter der taubenhaften Neubewertung?

Die wackelnde Rhetorik von Kevin Warsh

Auf der letzten Pressekonferenz im Anschluss an die FOMC-Sitzung betonte der Fed-Vorsitzende erneut seinen kompromisslosen Kurs bei der Inflationsbekämpfung und versuchte, die Märkte von seiner Falken-Haltung zu überzeugen. Während dies im Juni noch ausreichte, erwarteten die Investoren im Juli deutlich mehr.

Anleger beginnen zu zweifeln, ob den kühnen Ankündigungen auch Taten folgen werden – erinnert wird dabei an Warshs Aussagen von vor einem Jahr. Damals signalisierte er in Interviews (u. a. bei FOX News) häufig Unterstützung für Zinsfragen und stellte sich offen an die Seite des US-Präsidenten. Er betonte, dass Donald Trumps Frustration über Powells Geldpolitik vollkommen berechtigt sei, und kritisierte die Notenbank für zu langsame Zinssenkungen sowie eine übermäßige Fixierung auf rückwärtsgerichtete Wirtschaftsdaten.

Schwache NFP-Arbeitsmarktdaten erschüttern das Bild

Die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze in der US-Wirtschaft (außerhalb der Landwirtschaft) fiel im Juli um 23.000 und verfehlte die Erwartungen um 5 Standardabweichungen. Nimmt man eine Normalverteilung der Daten an, müsste man 290.000 Jahre auf einen vergleichbaren Wert warten.

Es lässt sich kaum bestreiten, dass die Zahlen schwach ausfielen – zum Rückgang von 23.000 gesellen sich Abwärtskorrekturen der Vormonate um insgesamt 103.000 Stellen. Dennoch ist anzumerken, dass der Einbruch zu großen Teilen auf weniger Arbeitsplätze im öffentlichen Bildungssektor zurückzuführen ist, was als saisonaler Faktor gewertet werden kann. Zudem überraschte die Arbeitslosenquote (4,1 %) positiv nach unten – für viele FOMC-Mitglieder unter den aktuellen Bedingungen der bevorzugte Indikator.

Der Arbeitsmarkt befindet sich weiterhin in einem Zustand geringer Dynamik („low fire-low hire“). Solange die Ausschussmitglieder keine überzeugenden Beweise für steigende Entlassungen sehen, bleibt die Stabilisierung der Inflation auf dem Zielniveau die absolute Priorität.

Abbildung 1: NFP und Arbeitslosenquote (1980–2026)

Quelle: XTB Research, 12.08.2026

Was zeigte der letzte CPI-Bericht?

Im Juni lagen die Daten deutlich unter den Erwartungen. Besonders ermutigend war das ausbleibende Preiswachstum in der Kernrate (ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise). Der Anstieg der Wohnkosten verlangsamte sich, was für das FOMC eine besonders gute Nachricht darstellt.

Abbildung 2: US-CPI-Inflation + Hauptbeiträge [m/m] (2019–2026)

Quelle: XTB Research, 12.08.2026

Worauf blickt die Börse aktuell bei den neuen Zahlen?

Die Aufmerksamkeit richtet sich vor allem auf die Kernrate, die voraussichtlich auf den niedrigsten Stand seit März 2021 fallen wird (Konsens liegt bei 2,5 %). Besonders interessant wird die Dynamik im Dienstleistungssektor sein.

Abbildung 3: Hauptbeiträge zur US-Juni-Inflation

Quelle: XTB Research, 12.08.2026

Auch bei der Gesamtrate wird ein fortgesetzter Rückgang erwartet (Prognose: 3,4 %), was unter anderem auf niedrigere Treibstoffpreise zurückzuführen ist. Diese sollten sich ebenfalls dämpfend auf Flug- und Hotelpreise auswirken. Bei den Nahrungsmittelpreisen wird hingegen mit einem leichten Anstieg gerechnet.

Weitere wichtige Marktfaktoren:

  • Zölle eingepreist: Die Auswirkungen von Zöllen scheinen vom Markt bereits vollständig verarbeitet worden zu sein – dies zeigt sich in Kategorien wie Audiogeräten, Werkzeugen oder Sportartikeln.
  • Chip-Mangel: Der anhaltende Mangel an Speicherchips dürfte die Preise für Computer und Software weiterhin nach oben treiben.

Abbildung 4: Einfluss verschiedener Sektoren auf die jährliche US-Inflationsdynamik (2023–2026)

Quelle: XTB Research, 12.08.2026

EURUSD Prognose: Lage an den Märkten vor Veröffentlichung der Daten

Das Währungspaar EUR/USD zeigt sich aktuell extrem ruhig. Seit Wochenbeginn beläuft sich der Rückgang auf lediglich 0,2 %, was primär durch Schlagzeilen aus dem Nahen Osten getrieben wurde. Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus fiel auf den niedrigsten Stand seit einer Woche (ca. 10 Schiffe pro Tag).

Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent liegt mittlerweile bei über 89 USD und stieg gestern trotz optimistischer Erklärungen des pakistanischen Außenministeriums weiter an.

Über Nacht erklärte Donald Trump in Medieninterviews, dass die USA die „totale Kontrolle“ (100 %) über die Straße von Hormus hätten. Die iranische Seite knüpfte eine Wiederöffnung der Route wiederum an harte Bedingungen: die Aufhebung der US-Sanktionen, ein Ende der Seeblockade und die Zahlung von Kriegsentschädigungen durch die USA.

Abbildung 5: EUR/USD-Wechselkursverlauf (26.02.2026–12.08.2026)

EURUSD Prognose im Tageschart

Quelle: XTB Investment Plattform, aufgenommen am 12.08.2026. Zeithistorie gemäß der Information direkt im Chart. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Performance. Mögliche Währungsschwankungen können sich auf die Rendite auswirken.

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Analyst: Michał Jóźwiak, XTB Finanzmarktanalyst Analyst

 

 

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