Fundamentalanalyse: Devisen- und Zinsmarkt

EXPERTE - Übung 5
Lesedauer dieser Übung: ca. 10 Minuten

In dieser Lektion lernen Sie:

 

  • Wie Zinssätze den Devisenmarkt beeinflussen können
  • Wie Markterwartungen einzuschätzen sind
  • Wie man den wahren Wert einer Währung bestimmt

 

Der Finanzmarkt ist ein komplizierter Ort, der viele Verbindungen zwischen den einzelnen Märkten aufweist. Die weltweiten Aktienmärkte und Währungen können sich gegenseitig stark beeinflussen. Allerdings gibt es ein bestimmtes Segment des Finanzmarktes, das einen erheblichen Einfluss auf den Devisenmarkt hat – Der Zinsmarkt. Sie haben vielleicht schon mal davon gehört, dass ein Markt möglicherweise etwas eingepreist hat bzw. einpreisen wird. Dies ist der Fall, wenn Trader bereits auf eine Änderung der Zentralbankpolitik vorbereitet sind oder eine bestimmte Währung bereits etwas einpreist hat. Auch wenn Sie möglicherweise schon davon gehört haben, wundern Sie sich vielleicht warum dies so wichtig ist für Ihre Trading-Aktivitäten. Jetzt ist es Zeit dies herauszufinden.

 

 

Was versteht man unter dem Zinsmarkt?

Wie der Name schon sagt, ist der Zinsmarkt ein Segment des Marktes, in dem die Zinssätze gehandelt werden. Allerdings nicht direkt die Zinssätze, sondern Anleihen, Forwards und andere Kontrakte, die letztendlich die Grundlage für die Zinssätze bilden. Zinssätze sind ein wichtiger Teil unseres Lebens. Sie erleichtern die Kapitalbildung und haben tiefgreifende Auswirkungen auf einzelne Investitionsentscheidungen, die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Geldpolitik und die Unternehmensgewinne.

 

Es ist wahrscheinlich, dass die Marktzinsen steigen, wenn Anleiheinvestoren einen Anstieg der Inflationsrate erwarten. Aber es ist nicht der einzige Grund, warum Marktzinssätze steigen könnten. Ein höheres Wirtschaftswachstum, das zu einer höheren Rendite führt, könnte auch ein Grund für den Anstieg des Zinssatzes sein. Letztendlich könnte auch eine hawkische Zentralbank der Grund für steigende Zinsen sein, die eine schärfere Geldpolitik anstrebt als vom Markt erwartet wird. Infolgedessen werden Anleiheinvestoren eine höhere Rendite, also Zinssätze, für Ihre Investitionen verlangen. Auf der anderen Seite dürften die Marktzinsen sinken, wenn sich die Konjunktur verlangsamt, die Inflation zurückgeht oder die Notenbank zurückhaltender wird (also weniger zu steigenden Zinsen tendiert). Das Ausfallrisiko könnte sich ebenfalls erheblich auf die Zinssätze auswirken. Allerdings spielt dieser Grund in unserer Analyse zum Zusammenhang zwischen Zins- und Devisenmarkt eine untergeordnete Rolle.

 

 

Wie Zinsen den Devisenmarkt beeinflussen?

Wir wissen bereits, was die Zinsen beeinflussen kann und warum Änderungen in beide Richtungen möglich sind. Tatsache ist, dass sich die Marktzinsen, nicht die Zentralbankkurse, jeden Tag ändern. Das liegt daran, dass Investoren die bevorstehenden Daten und Nachrichten verdauen und ihre Haltung beurteilen müssen. Werfen wir einen Blick auf ein kurzes Beispiel. Stellen Sie sich eine Situation vor, in der die Inflation in den USA stark ansteigt, viel schneller als der Markt und die FED prognostiziert hatten. Die Daten zeigen, dass der Anstieg im Jahresvergleich bei 2,5% lag, erwartet wurde allerdings nur ein Wert von 1,5%. Was sollte nun als nächstes passieren? Zunächst einmal werden sich die offiziellen Zinssätze der FOMC nicht unmittelbar nach der Veröffentlichung ändern, dies gilt allerdings nicht für die Marktzinssätze. Die Händler werden versuchen, dies vorzuschieben, was die Zentralbank in den kommenden Monaten tun könnte. Die Renditen von Anleihen und kurzfristigen Zinssätzen werden steigen, ebenso wie der US-Dollar. Aber warum genau sollte der USD aufwerten? Das liegt daran, dass Zinssätze ein Kostenfaktor für eine Währung sind. Wenn Sie sich Dollars leihen wollen, müssen Sie Zinsen auf der Grundlage amerikanischer Zinssätzen zahlen, nicht auf der der europäischen oder britischen. Letztendlich ist der Zinssatz ein Kostenfaktor einer Währung, je höher er ist, desto stärker ist die Währung.

 

Man sollte jedoch bedenken, dass es von der Situation abhängt, ob eine Währung steigt. Wenn die Zinssätze aufgrund einer größeren Wahrscheinlichkeit eines Konkurses eines bestimmten Landes steigen (da die Händler eine höhere Rendite aus der Anlage ihrer Anleihen wünschen), sollte ihre Währung abwerten. Kommen wir zurück zu unserem Beispiel. Die Inflation von 2,5% sollte sich positiv auf den USD auswirken, aber was wäre, wenn sie bei 250% liege? Das sollte auch zu einem Anstieg der Marktzinsen führen, aber die Währung wird abwerten. Ein solch rapider Anstieg der Preise ist ein bedeutender Einschnitt für die Wirtschaft und hat negative Auswirkungen auf das Finanzsystem. Das führt zu einer Abwertung der Währung und würde auch zu einem Rückgang des Dollars führen. Obwohl solche Situationen selten vorkommen, sollten Sie Marktzinsen bei Ihren Analyse berücksichtigen.

 

 

Was erwartet der Markt?

Zentralbanken sind die größten und wichtigsten Akteure an den Finanzmärkten. Wenn das Federal Open Market Committee (FOMC) das Ziel für die den US-Leitzins festlegt, zu dem Banken Geld leihen und verleihen, wirkt sich dies auf die gesamte US-Wirtschaft aus, ganz zu schweigen vom USD. Theoretisch sollte sich eine Zinserhöhung positiv auf den USD auswirken, aber solch eine Entscheidung könnte auch zu einer Abwertung des USD führen. Warum? Dies ist auf die Markterwartungen zurückzuführen. Wenn der Markt solch eine Bewegung nicht erwartet hat, wird der USD an Wert gewinnen. Sollten Anleger jedoch bereits eine Zinserhöhung eingepreist haben, könnte es zu einem Kursrückgang kommen. Das würde bedeuten, dass die Marktzinssätze schon vor der FOMC-Sitzung steigen würden und damit auch der USD.

 

Anleger versuchen immer zu antizipieren, was bei den Treffen der Zentralbanken passieren könnte, was sich dann entsprechend in den Preisen der Finanzinstrumente widerspiegelt. Werfen wir einen Blick auf die untere Tabelle. Es zeigt eine prozentuale Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Federal Reserve bei ihren bevorstehenden Treffen.

 

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Quelle: Bloomberg

 

 

Wie zu erkennen ist, sah der Markt zum Zeitpunkt des Schreibens eine geringe Chance für einen Anstieg der US-Zinsen im Juli oder September, aber die Chance auf eine Erhöhung vor September 2018 war relativ hoch. Das bedeutet, dass wenn der USD aufgrund einer schärferen Geldpolitik der Fed an Wert gewinnen soll, muss der Markt davon überzeugt werden, dass im Analysezeitraum mehr als nur eine Zinserhöhung stattfinden wird.

 

Darüber hinaus könnten sich Erwartungen auch auf ein bestimmtes Treffen beziehen. Betrachten wir die folgende Tabelle. Sie zeigt die Markterwartungen vor der Zinsentscheidung der Bank of Canada. Wie Sie sehen, erwarteten die meisten Ökonomen eine Zinserhöhung durch die BoC, einige waren allerdings weniger davon überzeugt.

 

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Quelle: Bloomberg
 

 

Die BoC erhöhte die Zinsen, was zu einer Aufwertung des kanadischen Dollars führte. Da nicht jeder Ökonom eine Änderung des geldpolitischen Kurses erwartete, konnte die Währung gestärkt werden. Darüber hinaus sanden die Bank auch eine hawkische Botschaft, die die Händler dazu zwang, in Zukunft eine weitere Zinserhöhung mit einzupreisen. Höhere Zinssätze werteten den kanadischen Dollar auf, was einer typischen Reaktion auf eine Zinserhöhung entspricht.
 

Allerdings es ist nicht so einfach, wie es in unserem Beispiel gezeigt wird. Werfen wir einen genaueren Blick auf die Europäische Zentralbank. Im März 2016 musste die Zentralbank ihre Lockerungsmaßnahmen ausweiten, da sich die Inflationsaussichten weiter verschlechterten. Es wurde erwartet, dass die Zentralbank die Zinssätze senkt und ihr QE (Anleihekaufprogramm) ausweitet, was letztlich auch geschah. Der Euro stieg jedoch nach der Entscheidung in die Höhe, wie aus der unteren Grafik hervorgeht. Warum? Die meisten Marktakteure erwarteten zusätzliche Lockerungsmaßnahmen, daher war ihre Einführung keine große Überraschung für die Märkte. Aber die Zentralbank hat etwas unternommen, was niemand erwartet hat. Sie sagte, dass es die lockere Geldpolitik vorerst ein Ende hat. Dies führte zu einer starken Aufwärtsbewegung der Zinssätze, sowie einer starken Aufwertung des Euros. Trader versuchen dem Markt immer ein Schritt voraus zu sein. Als die EZB signalisierte, dass sich der Lockerungszyklus seinem Ende nähert, wurde sie gezwungen, über eine potenzielle Verschärfung in der Zukunft nachzudenken.

 

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Quelle: xStation 5

 

 

Zinssätze, Währungen, Spreads und beizulegende Zeitwerte

Darüber hinaus könnten die Zinssätze signalisieren, ob eine bestimmte Währung möglicherweise unter- oder überbewertet ist. Schauen Sie sich den USDJPY und seinen Vergleich mit den Renditen der 10-j. Staatsanleihen an. Da die japanische Zentralbank ihre Zinssätze auf einem extrem niedrigen, aber stabilen Niveau hält, hängen die Bewegungen des Währungspaares hauptsächlich von der Entwicklung der US-Zinsen ab. In der Regel gilt, je höher die US-Zinssätze, je stärker der USDJPY. Da die japanischen Zinsen stabil sind und die US-Zinsen steigen, wird der Dollar verhältnismäßig teurer als der Yen.

 

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Quelle: Bloomberg

 

Aber dies bezieht sich nicht nur auf den USDJPY. Bewegungen zwischen den Zinssätzen, die zu einer Verengung oder Ausweitung der Differenzen führen können, könnten im Gegenzug zu signifikanten Kursbewegungen auf dem Devisenmarkt führen. Da die eine Währung billiger wird als die andere, ziehen es Händler vor die schwächere Währung zu kaufen. Wie Sie in der oberen Tabelle sehen können, liegt der Spread zwischen den amerikanischen und japanischen Renditen bei 2,2297 und deutet darauf hin, dass das Währungspaar niedriger sein sollte. Es kann gesagt werden, dass der faire Wert, wie durch den Zinsmarkt angezeigt, bei 112,00 liegt, was ein ziemlich großes Risiko für die Bullen ist, da der USDJPY im Moment ein wenig überbewertet aussieht. Dies könnte daher womöglich auf eine Korrekturbewegung hindeuten. Von Zeit zu Zeit spiegeln Währungskurse auch den Wert von Währungspaaren wieder. Solch eine Phase ist in der Regel von Stabilität und einer niedrigeren Volatilität geprägt.

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Veröffentlicht von: X-Trade Brokers Dom Maklerski S.A

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