11:52 · 10. August 2026

⬆️Gaspreis steigt um über 6% auf fast 58 EUR

Natgas Prognose – Steigen die Gaspreise weiter vor dem Winter?
Das Wichtigste in Kürze
Das Wichtigste in Kürze
  • Kritischer Speicherstand vor dem Winter 
  • Angebotskrise und Ausfälle 
  • Nachfrageschub durch Hitzewelle

Die europäischen Erdgas-Futures (TTF) verzeichnen heute deutliche Gewinne: Der Preis steigt um mehr als 6 % und nähert sich der Marke von 58 EUR/MWh. Parallel zu den europäischen Notierungen ziehen auch die US-Gaspreise an, was vor allem auf veränderte Wetterprognosen zurückzuführen ist. Dennoch bleibt die Ausgangslage unterschiedlich: Während der US-Markt weiterhin stark überversorgt ist, kämpft Europa mit anhaltenden Problemen beim Auffüllen der Lagerbestände.

Welche Faktoren treiben die Gaspreise in Europa konkret an? Und gibt es Grund zur Sorge im Hinblick auf die bevorstehende Heizperiode? Die wichtigsten Einflussfaktoren in der Übersicht:

Die Treiber des Preisanstiegs in Europa

1. Ungelöste Krise in der Straße von Hormuz

Die Verhandlungen zwischen dem Iran und dem Oman konnten die Märkte nicht von einer raschen Wiederaufnahme der globalen Flüssigerdgas-Lieferungen (LNG) überzeugen. Zwar erklärte der iranische Außenminister am Wochenende, dass eine Einigung „sehr nahe“ sei, warnte jedoch gleichzeitig davor, dass dies keine sofortige Öffnung der Wasserstraße bedeute. Zudem sieht das Abkommen zwischen dem Iran und dem Oman vor, hohe Gebühren von vorbeifahrenden Schiffen zu erheben – eine Bedingung, die für die USA und die meisten Reedereien inakzeptabel ist.

2. Kritisch niedrige Gasspeicherstände

Knapp drei Monate vor Beginn der Heizsaison sind die europäischen Gasspeicher zu weniger als 59 % gefüllt. Dies entspricht dem niedrigsten Stand seit 2009 und liegt drastisch unter dem 5-Jahres-Saisondurchschnitt von 76 %. Diese angespannte Situation setzt Europa in einen harten Wettbewerb mit Asien um verfügbare LNG-Ladungen.

  • Einspeisung auf Rekordtief: Die Wiederauffüllung der Speicher verläuft aktuell so langsam wie seit über 5 Jahren nicht mehr. (Quelle: Bloomberg Finance LP, XTB)

  • Infrastruktur-Engpässe: Die Gaslieferungen an die europäischen Speicher liegen deutlich unter dem 5-Jahres-Durchschnitt. Zudem steht die Wartungssaison der Gasinfrastruktur bevor, was das Tempo der Befüllung weiter drosseln wird. (Quelle: Bloomberg Finance LP, XTB)

Der Lageraufbau verläuft bereits so langsam wie seit über fünf Jahren nicht mehr. Quelle: Bloomberg Finance LP, XTB

Quelle: Bloomberg Finance LP, XTB

3. Bevorstehende Hitzewellen treiben die Nachfrage

In der zweiten Wochenhälfte wird in Westeuropa (UK, Frankreich, Westdeutschland) eine starke Hitzewelle erwartet. Mit vorhergesagten Temperaturen von bis zu 33 °C in London und Frankfurt sowie 35–36 °C in Paris steigt der Strombedarf für Klimaanlagen spürbar an. Hohe Wassertemperaturen und niedrige Flusspegel können zudem den Betrieb von Kraftwerken erschweren.

4. Ausfälle und infrastrukturelle Einschränkungen

Zusätzliche ungeplante Ausfälle verschärfen die Angebotslage:

  • Der norwegische Betreiber Gassco meldete den Ausfall des Dvalin-Gasfeldes (Verlust von 5,9 Mio. m³ pro Tag seit dem 10. August).

  • Der französische Energiekonzern EDF musste die Leistung an den Kernreaktoren Gravelines und St. Alban stark drosseln, wodurch die Stromerzeugung vermehrt auf Gaskraftwerke verlagert wird.

Natgas Prognose: Hält der Aufwärtstrend an?

NATGAS Prognose im Tageschart

Quelle: XTB Investment Plattform, aufgenommen am 10.08.2026. Zeithistorie gemäß der Information direkt im Chart. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Performance. Das Handelsinstrument notiert in Punkten. Mögliche Währungsschwankungen können sich auf die Rendite auswirken.

Fehlende Aussichten auf eine schnelle Rückkehr der LNG-Lieferungen aus dem Nahen Osten (Katar wollte die Lieferungen nach Europa im September wiederaufnehmen, was nun infrage steht), das historisch langsame Tempo bei der Befüllung der europäischen Speicher sowie die hitzebedingte Nachfragewelle schaffen ein ideales Umfeld für anhaltend hohe oder weiter steigende Kurse bei der europäischen Benchmark TTF.

Obwohl der europäische Gasmarkt heute wesentlich breiter aufgestellt ist als noch vor vier Jahren, lässt sich ein deutlicher Preisanstieg vor Beginn der Wintersaison nicht ausschließen. Die Terminkurve am europäischen Gasmarkt verläuft kurzfristig flach und geht anschließend in eine starke Backwardation über.

 

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