- Kakaopreis steigt um über 6% durch Short Covering und El-Niño-Sorgen
- Angebot verbessert sich, bleibt aber anfällig
- Kakao Prognose bleibt konstruktiv
- Kakaopreis steigt um über 6% durch Short Covering und El-Niño-Sorgen
- Angebot verbessert sich, bleibt aber anfällig
- Kakao Prognose bleibt konstruktiv
Die Entwicklungen am Rohstoffmarkt stehen heute besonders im Fokus der Anleger. Im Bereich Börse Aktuell sorgt vor allem Kakao für Aufmerksamkeit. Die Futures an der ICE steigen um mehr als 6% und klettern wieder über 4.100 USD je Tonne. Damit verzeichnet der Markt eine der stärksten Tagesbewegungen der vergangenen Wochen.
► COCOA WKN: 570581 | ISIN: XC0005705816
Während Anleger zuletzt vor allem auf steigende Liefermengen aus Westafrika und höhere Lagerbestände blickten, rücken nun erneut Risiken für die künftige Produktion in den Vordergrund. Die aktuelle Kakao Prognose wird zunehmend von Wetterrisiken, El-Niño-Sorgen und einer extremen Positionierung institutioneller Investoren beeinflusst.
Kakao Prognose: Müssen Fonds ihre Short-Positionen schließen?
Ein wesentlicher Auslöser der heutigen Aufwärtsbewegung ist die technische Marktsituation. Laut dem jüngsten Commitment-of-Traders-Bericht erhöhten Investmentfonds ihre Netto-Short-Positionen Anfang Juni auf 21.111 Kontrakte. Das ist der höchste Wert seit mehr als drei Jahren. Eine derart starke Konzentration auf fallende Kurse erhöht das Risiko einer Gegenbewegung erheblich. Sobald neue fundamentale Faktoren auftreten oder sich die Marktstimmung verändert, können Anleger gezwungen sein, ihre Short-Positionen zu schließen. Dieser sogenannte Short Covering-Effekt führt häufig zu schnellen und kräftigen Kursanstiegen. Genau dieses Szenario scheint derzeit den Kakaomarkt zu unterstützen. Neue Risiken auf der Angebotsseite veranlassten zahlreiche Marktteilnehmer dazu, Gewinne aus Short-Positionen mitzunehmen, wodurch die Rally zusätzlich an Dynamik gewann.
El Niño sorgt für neue Unsicherheit am Kakaomarkt
Der wichtigste Treiber für die aktuelle Kakao Prognose bleibt der Wetterausblick für Westafrika. Die japanische Wetterbehörde bestätigte in dieser Woche die Bildung eines El-Niño-Musters im äquatorialen Pazifik. Gleichzeitig sieht die US-Wetterbehörde NOAA eine Wahrscheinlichkeit von 67% für einen sogenannten Super El Niño. Sollte sich dieses Szenario bestätigen, könnte es sich um eines der stärksten Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte handeln. Für Kakao ist diese Entwicklung besonders relevant. Rund 70% der weltweiten Produktion stammen aus Westafrika. El Niño führt dort häufig zu heißeren und trockeneren Bedingungen, was die Erträge erheblich beeinträchtigen kann. Zusätzlich deuten erste Erhebungen für die Saison 2026/27 auf eine unterdurchschnittliche Bildung von Kakaofrüchten hin. Dies könnte ein frühes Warnsignal dafür sein, dass die Haupternte ab Oktober schwächer ausfallen wird als bislang erwartet.
Steigende Produktion spricht zunächst gegen höhere Preise
Noch zu Beginn der Woche dominierten die bearischen Argumente. Die Elfenbeinküste meldete deutliche Fortschritte bei den Kakaoanlieferungen in ihren Häfen. Seit Beginn der Saison 2025/26 am 1. Oktober wurden bis zum 7. Juni rund 1,95 Millionen Tonnen Kakao angeliefert. Das entspricht einem Anstieg von 18,9% im Jahresvergleich. Darüber hinaus erhöhte das Land seine Produktionsprognose für die laufende Saison von zuvor 1,8 bis 1,9 Millionen Tonnen auf 2,2 Millionen Tonnen.
Auch die Internationale Kakaoorganisation (ICCO) erwartet eine Verbesserung der Versorgungslage. Die globale Kakaoproduktion soll in der Saison 2024/25 um 8,3% im Jahresvergleich auf 4,723 Millionen Tonnen steigen. Damit könnte erstmals nach vier Defizitjahren wieder ein Angebotsüberschuss entstehen.
Lagerbestände steigen - Anleger bleiben vorsichtig
Ein weiterer Faktor gegen dauerhaft steigende Preise sind die höheren Lagerbestände an den ICE-Börsen. Anfang Juni überschritten die überwachten Bestände die Marke von 2,93 Millionen Säcken und erreichten damit den höchsten Stand seit rund 21 Monaten.
Dennoch bleibt der Markt skeptisch. Die weltweite Kakaoproduktion ist stark auf wenige Länder Westafrikas konzentriert. Dadurch bleibt das Angebot äußerst anfällig für Wetterereignisse, Krankheiten und logistische Probleme.
Diese strukturellen Risiken spielen für die mittelfristige Kakao Prognose weiterhin eine zentrale Rolle.
Nachfrage nach Schokolade bleibt robuster als erwartet
Trotz der hohen Kakaopreise zeigt sich die Nachfrage nach Schokolade überraschend widerstandsfähig. Große Hersteller wie Hershey und Mondelez veröffentlichten zuletzt besser als erwartete Geschäftszahlen.
Gleichzeitig deuten Verarbeitungsdaten auf eine Abschwächung der Nachfrage in einigen Regionen hin. In Nordamerika gingen die Kakaovermahlungen um 3,8% im Jahresvergleich auf 106.087 Tonnen zurück. In Europa sanken sie um 7,8% im Jahresvergleich auf 325.895 Tonnen und erreichten den niedrigsten Stand eines ersten Quartals seit 17 Jahren.
Positiv überrascht dagegen Asien. Dort stiegen die Vermahlungen um 5,2% im Jahresvergleich auf 223.503 Tonnen, obwohl Analysten einen Rückgang erwartet hatten.
Börse Aktuell: Institutionen senken Überschussprognosen
Weitere Unterstützung erhält die aktuelle Kakao Prognose durch sinkende Erwartungen an den globalen Angebotsüberschuss.
StoneX reduzierte seine Prognose für den weltweiten Kakaoüberschuss der Saison 2026/27 von 267.000 auf 149.000 Tonnen. Gleichzeitig wurde die Prognose für 2025/26 von 287.000 auf 247.000 Tonnen gesenkt.
Auch die ICCO korrigierte ihre Erwartungen nach unten und reduzierte ihre Überschussprognose für die Saison 2024/25 von 75.000 auf 48.000 Tonnen.
Zusätzliche Risiken ergeben sich aus Nigeria, dem fünftgrößten Kakaoproduzenten der Welt. Die Exporte des Landes gingen im April um 20% im Jahresvergleich zurück. Zudem erwartet der nationale Branchenverband für die Saison 2025/26 einen Produktionsrückgang von 11%.
Kakao Prognose 2026: Weitere Aufwärtsrisiken bleiben bestehen
Die heutige Kursrally zeigt, wie sensibel der Kakaomarkt auf neue Risiken reagiert. Obwohl Produktion und Lagerbestände zuletzt gestiegen sind und der Markt weiterhin einen Überschuss aufweist, reichen bereits erste wetterbedingte Warnsignale aus, um eine kräftige Gegenbewegung auszulösen.
Für Anleger, die die Entwicklungen an der Börse Aktuell verfolgen, bleibt Kakao damit einer der spannendsten Rohstoffe. Die weitere Kakao Prognose wird maßgeblich davon abhängen, ob sich El Niño verstärkt und wie sich die Erntebedingungen in Westafrika in den kommenden Monaten entwickeln.
COCOA Prognose im Tageschart
Quelle: XTB Investment Plattform, aufgenommen am 15.06.2026. Zeithistorie gemäß der Information direkt im Chart. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Performance. Das Handelsinstrument notiert in USD. Mögliche Währungsschwankungen können sich auf die Rendite auswirken.
Eryk Szmyd, Finanzmarktanalyst bei XTB
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