12:35 · 13. August 2026

Ölpreis gibt unter Lagerbeständen nach

Brent Rohölpreis fällt unter 88 $ | Börse Aktuell & Markt-Analyse
Das Wichtigste in Kürze
Das Wichtigste in Kürze
  • Rückgang der Ölpreise 
  • Historischer Anstieg der US-Lagerbestände 
  • Gemischte Marktprognosen & Key-Levels 

An den Rohstoffmärkten stehen die Zeichen auf Rückzug: Der Brent Rohölpreis verzeichnet in der heutigen Handelsperiode deutliche Abschläge und setzt damit die Abwärtsbewegung des Vortages fort. Für Anleger, die die Börse aktuell verfolgen, zeichnet sich ein klares Bild ab: Ein massiver Anstieg der US-Lagerbestände, Fortschritte bei den Friedensgesprächen bezüglich der Straße von Hormus sowie Sorgen vor einer weltweiten Nachfrageschwäche belasten die Notierungen.

Durch den Abbau der geopolitischen Risikoprämie, den Rückgang von Long-Positionen bei Futures-Kontrakten und einen erstarkenden US-Dollar fiel der Brent Rohölpreis unter die Marke von 88 US-Dollar pro Barrel. Die US-Sorte WTI rutschte zeitgleich unter 82 US-Dollar.

OPEC+ und globale Ölproduktion: Erholung im Nahen Osten

Neben dem wöchentlichen Statusbericht des US-Energieministeriums (DOE) lieferten jüngste Berichte führender Energieinstitutionen wichtige Impulse für den Markt:

  • Entwicklung der OPEC+-Förderung: Der Monatsbericht des Kartells zeigt eine teilweise Erholung der Fördermengen im Nahen Osten. Die am Abkommen beteiligten OPEC+-Länder steigerten ihre Produktion um 1,37 Mio. Barrels pro Tag (bpd) auf insgesamt 28,92 Mio. bpd. Dennoch liegt die Gruppe weiterhin etwa 6,91 Mio. bpd unter den vereinbarten Quoten. Für die gesamte DoC-Gruppe stieg die Produktion auf 37,655 Mio. bpd (+1,42 Mio. bpd).

  • Die Wichtigsten Förderländer: Treiber des Anstiegs waren Saudi-Arabien (+590.000 bpd auf 7,35 Mio. bpd), der Irak (+665.000 bpd auf 2,62 Mio. bpd) und Kuwait (+393.000 bpd auf 1,85 Mio. bpd).

  • Lage im Iran und den VAE: Die iranische Produktion stieg auf 2,478 Mio. bpd (+26.000 bpd m/m). Trotz des zweiten Anstiegs in Folge bleibt das Niveau etwa 700.000 bpd unter dem Vorkrisenniveau. Die Exporte zogen jedoch deutlich an und näherten sich der Marke von 1 Mio. bpd. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hielten ihre Förderung nach dem Allianzaustritt stabil bei 3,78 bis 3,8 Mio. bpd. 

Das globale Angebotsdefizit bleibt vorerst gering. Allerdings wird dieses Defizit stark durch die koordinierte Freigabe von strategischen Ölreserven auf den Weltmarkt begrenzt. Quelle: OPEC

IEA und EIA: Unterstschiedliche Prognosen für die Märkte

Die internationalen Energieagenturen blicken unterschiedlich auf das künftige Angebot-Nachfrage-Verhältnis:

Institution Prognose & Kennzahlen
IEA (Internationale Energieagentur) Senkt die globale Nachfrageprognose für 2026 auf -1,6 Mio. bpd (zuvor -1,0 Mio. bpd) aufgrund hoher Kraftstoffpreise. Prognostiziert jedoch für das 3. Quartal ein Marktdefizit von 1,8 Mio. bpd wegen der Blockade der Straße von Hormus. Für 2027 wird ein starkes Nachfragewachstum von +2,4 Mio. bpd erwartet.
EIA (US-Energy Information Administration) Erwartet den durchschnittlichen Brent Rohölpreis im Jahr 2026 bei ca. 87 USD/Barrel (nach 69 USD in den Vorjahren). Das US-Angebotsniveau soll bei stabilen 13,8 Mio. bpd liegen.

Die durchschnittlichen Brent-Rohölpreise dürften in diesem Jahr 87 US-Dollar pro Barrel erreichen, was in etwa dem aktuellen Niveau entspricht. Für das nächste Jahr wird ein deutlicher Rückgang erwartet. Quelle: EIA

Die EIA geht davon aus, dass das Defizit auf dem Ölmarkt im vierten Quartal anhalten wird, wobei dies natürlich eine zumindest teilweise Öffnung der Straße von Hormus voraussetzt. Quelle: EIA

DOE-Lagerberichte: Sprunghafter Anstieg der US-Bestände

Die wöchentlichen Daten des US-Energieministeriums überraschten die Märkte mit dem größten Zuwachs an kommerziellen Rohölreserven seit Januar 2023:

  1. Kommerzielle Rohölbestände: Anstieg um 17,42 Millionen Barrel – erwartet wurde eigentlich ein Rückgang um 1,4 Millionen Barrel.
  2. Importe & Exporte: Die US-Ölimporte stiegen um über 1 Mio. bpd (höchster Wert seit Ende 2024), begünstigt durch Rückkehr von saudischem Öl, kanadischen Lieferungen und Importen aus Venezuela. Die US-Exporte brachen zeitgleich ein.
  3. Strategische Ölreserve (SPR): Weitere 6,1 Millionen Barrel wurden aus den Reserven freigegeben. Damit fielen die strategischen US-Bestände erstmals seit den 1980er Jahren unter die Marke von 300 Millionen Barrel.

Bei der derzeitigen Abbaugeschwindigkeit verbleiben den USA etwa 10 bis 12 Wochen zur Marktstabilisierung. Die IEA hat sich bereits bereit erklärt, bei Bedarf weitere globale Reserven freizugeben. Quelle: Bloomberg Finance LP, XTB


Die weltweit koordinierte Freigabe strategischer Reserven hat dazu geführt, dass die US-Reserven zum ersten Mal seit den 1980er Jahren unter 300 Millionen Barrel gefallen sind. Theoretisch werden die Reserven auf rund 240 Millionen Barrel sinken. Bei der derzeitigen Abnahmerate würde dies zumindest in den Vereinigten Staaten zu einer weiteren Stabilisierung des Ölmarktes für etwa 10 bis 12 Wochen führen. Die IEA hat sich bereit erklärt, erneut weltweit Lagerbestände auf den Markt zu bringen. Quelle: Bloomberg Finance LP

Chartanalyse: Wie bewegt sich der Brent Rohölpreis aktuell?

An der Börse aktuell zeigt sich der Brent Rohölpreis weiter leicht rückläufig, wenn auch mit nachlassender Dynamik.

  • Widerstandszone: Die Marke von 90 USD pro Barrel erweist sich als extrem starker Widerstand (knapp oberhalb des 23,6%-Fibonacci-Retracements).
  • Bärisches Szenario: Bleibt eine weitere geopolitische Eskalation aus, ist ein Test der Unterstützung bei 85 USD pro Barrel wahrscheinlich.
  • Bullisches Szenario: Ein Ausbruch über die abwärtsgerichtete Trendlinie könnte den Preis zunächst in die Zone von 92 bis 95 USD und im Anschluss in Richtung 98 bis 100 USD führen.

Brent Prognose im Tageschart
Quelle: XTB Investment Plattform, aufgenommen am 13.08.2026. Zeithistorie gemäß der Information direkt im Chart. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Performance. Das Handelsinstrument notiert in USD. Mögliche Währungsschwankungen können sich auf die Rendite auswirken.

 

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