- Der Brent Ölpreis ist nach der Eskalation zwischen den USA und Iran innerhalb kurzer Zeit auf rund 78 US-Dollar je Barrel gestiegen.
- Die Rückkehr einer ausgeprägten Backwardation signalisiert erhebliche Sorgen über kurzfristige Versorgungsrisiken am Ölmarkt.
- Ein Anstieg in Richtung 100 US-Dollar bleibt möglich, falls sich die militärische Lage rund um die Straße von Hormus weiter verschärft.
- Der Brent Ölpreis ist nach der Eskalation zwischen den USA und Iran innerhalb kurzer Zeit auf rund 78 US-Dollar je Barrel gestiegen.
- Die Rückkehr einer ausgeprägten Backwardation signalisiert erhebliche Sorgen über kurzfristige Versorgungsrisiken am Ölmarkt.
- Ein Anstieg in Richtung 100 US-Dollar bleibt möglich, falls sich die militärische Lage rund um die Straße von Hormus weiter verschärft.
Der Brent Ölpreis hat innerhalb weniger Wochen eine bemerkenswerte Kehrtwende vollzogen. Nachdem Brent zwischenzeitlich die Marke von 70 US-Dollar je Barrel getestet hatte, notiert der Referenzpreis inzwischen wieder nahe 78 US-Dollar. Auslöser ist die erneute Eskalation zwischen den USA und Iran, die den geopolitischen Risikoaufschlag am Ölmarkt schlagartig zurückgebracht hat.
► Brent WKN: 967740 | ISIN: XC0009677409 | Ticker: Brent Öl
Nach einem iranischen Angriff auf mindestens drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus reagierten die Vereinigten Staaten mit Luftschlägen gegen mehr als 80 militärische Ziele im Iran. Gleichzeitig erklärte US-Präsident Donald Trump das Waffenstillstandsabkommen praktisch für beendet. Die jüngsten Markt News erhöhen die Sorge vor Unterbrechungen der globalen Energieversorgung und treiben den Brent Ölpreis erneut nach oben.
Der Ölpreis steigt wieder. Wie die Entwicklungen in den Jahren 1990 und 2022 zeigen, kann die Lage selbst in den nächsten Monaten recht volatil sein, auch wenn die Vergangenheit nicht darauf hindeutet, dass es in einem solchen Fall zu einer Rückkehr auf das Konflikt-Hoch kommt. Quelle: Bloomberg Finance LP, XTB
Brent Ölpreis: So kam es zur neuen Eskalation
Die jüngste Entwicklung ist das Ergebnis einer raschen Verschlechterung der diplomatischen Lage.
- Vor rund einem Monat: Die USA und Iran vereinbaren ein auf 60 Tage befristetes Memorandum. Es garantiert die sichere Passage durch die Straße von Hormus im Gegenzug für eine vorübergehende Lockerung der Sanktionen gegen iranisches Öl sowie neue Gespräche über das iranische Atomprogramm.
- Iran greift Handelsschiffe an: Mindestens drei zivile Schiffe, darunter ein LNG-Tanker, werden während der Durchfahrt durch die Straße von Hormus attackiert.
- US-Vergeltung: Die Vereinigten Staaten greifen daraufhin mehr als 80 militärische Ziele im Iran an und setzen sämtliche Sanktionen gegen den iranischen Ölsektor wieder in Kraft.
- Iranische Gegenangriffe: Der Iran reagiert mit weiteren Angriffen auf Ziele in Bahrain und Kuwait.
- Trump erklärt Waffenruhe für beendet: Während des NATO-Gipfels erklärte Donald Trump, dass der Waffenstillstand aus seiner Sicht beendet sei und kritisierte die iranische Führung scharf.
Markt News: Kriegssorgen treiben den Brent Ölpreis
Der geopolitische Schock spiegelte sich unmittelbar in den Ölpreisen wider.
- Der Brent Ölpreis stieg am heutigen Handelstag um mehr als 3% auf rund 78 US-Dollar je Barrel.
- Seit Beginn der neuen Eskalationsphase summiert sich der Anstieg auf nahezu 10%.
- Auch WTI verteuerte sich deutlich und erreichte zwischenzeitlich die Marke von 75 US-Dollar.
Während der Markt vor wenigen Tagen noch auf eine Entspannung gesetzt hatte, wird nun erneut ein erheblicher Risikoaufschlag eingepreist.
Terminmarkt signalisiert akute Versorgungsängste
Besonders deutlich wird die Nervosität an der Struktur der Terminmärkte. Noch vor einer Woche zeigte die kurzfristige Forward-Kurve teilweise Contango, was auf ein ausreichendes Angebot und steigende Lagerbestände hindeutete. Inzwischen hat sich die Kurve wieder in eine ausgeprägte Backwardation verwandelt. Kurzfristige Lieferkontrakte notieren deutlich über späteren Laufzeiten. Gleichzeitig haben sich die Calendar Spreads wieder ausgeweitet.
Diese Marktstruktur signalisiert, dass Händler bereit sind, einen deutlichen Aufpreis für sofort verfügbare Lieferungen zu bezahlen. Ursache ist die Sorge, dass eine Blockade der Straße von Hormus die physische Versorgung mit Rohöl erheblich beeinträchtigen könnte.
Die aktuelle Terminkurve weist erneut eine sehr starke Backwardation auf, obwohl wir noch vor einer Woche am kurzen Ende sogar ein Contango beobachtet haben. Quelle: Bloomberg Finance LP
Warum die Straße von Hormus für den Brent Ölpreis entscheidend bleibt
Nach aktuellen Berichten wurden die Handelsschiffe direkt während ihrer Passage durch die Straße von Hormus angegriffen. Der strategisch bedeutende Seeweg zählt zu den wichtigsten Energierouten der Welt. Ein erheblicher Teil der globalen Öl- und LNG-Exporte passiert täglich diese Meerenge. Die internationalen Schifffahrtsrouten verlaufen überwiegend durch omanische Hoheitsgewässer. Dass Iran dennoch Schiffe in diesem Korridor attackierte, wird von Marktteilnehmern als Signal gewertet, dass Teheran bereit ist, den gesamten Engpass unabhängig von Staatsgrenzen unter Druck zu setzen.
Für die USA bedeutet dies, dass diplomatische Garantien kaum noch ausreichen dürften. Eine dauerhafte militärische Begleitung von Tankern erscheint zunehmend wahrscheinlich. Gleichzeitig steigt damit das Risiko einer direkten militärischen Konfrontation zwischen amerikanischen und iranischen Einheiten erheblich. Ein solcher Verlauf könnte den Brent Ölpreis mittelfristig erneut in Richtung 100 US-Dollar je Barrel treiben.
Raffineriemargen bleiben trotz hoher Ölpreise robust
Ein weiterer wichtiger Indikator ist der sogenannte Crack Spread, also die Differenz zwischen Rohölpreisen und den Preisen raffinierter Produkte wie Benzin oder Diesel. Obwohl der Ölpreis zeitweise deutlich zurückgekommen war, blieben die Raffineriemargen auf einem hohen Niveau. Das deutet darauf hin, dass die Nachfrage nach Kraftstoffen weiterhin robust ist und sich der Markt auch nach mehreren Monaten geopolitischer Spannungen nicht nachhaltig entspannen konnte.
Der Crack-Spread blieb trotz eines massiven Einbruchs der Ölpreise auf einem hohen Niveau. Das bedeutet, dass die Kraftstoffpreise nach dem rund dreimonatigen Konflikt noch nicht einmal eine kurze Atempause gefunden haben. Quelle: Bloomberg Finance LP, XTB
Technische Analyse: Brent Ölpreis vor wichtigem Widerstand
Aus charttechnischer Sicht hat sich das Bild zuletzt deutlich verbessert.

Quelle: XTB Investment Plattform, aufgenommen am 08.07.2026. Zeithistorie gemäß der Information direkt im Chart. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für zukünftige Performance. Das Handelsinstrument notiert in USD. Mögliche Währungsschwankungen können sich auf die Rendite auswirken.
Nach einer mehrtägigen Stabilisierung oberhalb von 70 US-Dollar konnte Brent zwei kräftige Aufwärtsbewegungen in Folge ausbilden.
Der Preis testet aktuell:
- den 200-Tage-Durchschnitt
- die obere Begrenzung des vorherigen Abwärtstrendkanals
Die nächste bedeutende Widerstandszone liegt zwischen 80 und 85 US-Dollar. Dort verlaufen sowohl eine wichtige Angebotszone als auch das 61,8%-Fibonacci-Retracement der vorherigen Abwärtsbewegung.
Sollte die Schifffahrt durch die Straße von Hormus weiterhin funktionieren und keine direkte militärische Konfrontation zwischen US- und iranischen Streitkräften entstehen, könnte diese Zone den Anstieg zunächst begrenzen.
Kommt es hingegen zu weiteren Angriffen auf Tanker oder zu direkten Gefechten zwischen den Streitkräften beider Länder, dürfte auch ein Anstieg des Brent Ölpreises in Richtung 100 US-Dollar wieder ein realistisches Szenario werden.
Quelle Grafik: xStation5
Experten Fazit: Brent Ölpreis reagiert erneut auf geopolitische Risiken
Die jüngsten Markt News zeigen, wie schnell geopolitische Entwicklungen den Ölmarkt verändern können. Innerhalb weniger Wochen hat sich die Stimmung vollständig gedreht. Statt Hoffnungen auf Entspannung dominiert wieder die Sorge vor Lieferausfällen aus dem Persischen Golf.
Neben den militärischen Entwicklungen werden Anleger nun besonders beobachten, ob die Straße von Hormus weiterhin offen bleibt oder ob weitere Zwischenfälle den Risikoaufschlag am Ölmarkt weiter erhöhen.
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